Herbst in Deutschland

HerbstDer Herbst hat begonnen und die ersten Kastanien sind zu finden. Die Eicheln fallen von den Bäumen herunter, die Blätter färben sich gelb. Schulkinder albern herum und beschimpfen sich mit „Schwulette“ oder „eklige Schwuchtel“. Christdemokratische Aktivisten kurven mit einem Megafon-Wagen durch das Villenviertel – eine ehrenhafte Sache.

In der Frühe liegt dichter Nebel auf den Feldern, das Vieh schläft noch, eine beruhigende Stille hat sich über dem ganzen Land ausgebreitet. Zum Mittag spielen die Kinder im Garten mit dem Hund – Stöcklein, Stöcklein -, die Eltern sind glücklich und zufrieden mit ihrem erfüllten Leben. Natürlich gehen sie am Sonntag wählen, aber vorher ist selbstredend die Kirche zu besuchen. Der Mann denkt über den letzten Besuch im Bordell nach und lächelt seinem treuen Weib zu, dass die gebleichten Zähne nur so strahlen. Die Frau blickt zu ihm hinauf mit ihrem geschärften Blick.

Bei abendlicher Dämmerung sitzt man gemeinsam am Kamin bei schwarzem Tee für die Älteren und gerecht gehandeltem Kakao für die Jüngeren. Großmama strickt Socken, Großpapa zündet sich genüsslich eine Zigarre an. Außer dem Knistern der Holzscheite ist nichts zu hören.

„Diese herrliche Ruhe“, sagt die Frau Mutter.
„Gut, dass wir keine Türken in der Gegend haben“, meint Großmama, „die würden jetzt bis spät in die Nacht feiern bei lauter Musik.“
Der Älteste nimmt einen Schluck aus seinem Flachmann und fügt hinzu: „Die lärmen immer. Oder sie prügeln sich – ob mit Fäusten oder Messern, ist diesen Wilden gleich.“
„Bitte“, sagt da der Vater, „sprich doch vor den Kindern nicht über Gewalt.“

Am frühen Morgen – die Sonne ist noch nicht aufgegangen – zieht der Sohnemann, selbstverständlich politisch engagiert, um die Häuser und stellt Plakate der christlichen Demokraten auf.

Kurzum: Die Welt ist schön.

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