Wort zum Alltag (Januar)

Lieber Martin,

CSD Berlin 2009jetzt, im Alter von fast 85 Jahren, ist dir anscheinend immer noch nicht der Atem ausgegangen, gegen „alles Unmoralische“ zu hetzen. Wirklich bemerkenswert. Und doch bist du voller Elan und Schwung am Schimpfen und Niederschmettern, am Keifen und Schreien. Wer das ebenfalls tut, ist schlecht, wie du auf deiner Homepage verlauten lässt: „Mögen die Homosexuellen schreien und plärren, was sie wollen. Krankheiten werden immer Krankheiten bleiben! Krankheiten gehören behandelt und nicht gefeiert!“

Sehr richtig, Martin. Warum wirst du nicht „Homo-Arzt“, wenn dir so viel am Wohl derer „vom andern Ufer“ gelegen ist (Dr. med. hom. sap. sap.)? Warum tust du dich nicht mit Fred God-hates-Fags! Phelps zusammen? Überlege das ruhig einmal. Denken wir derweil über andere Dinge nach – du bist schließlich ein vielseitiger Querkopf, wie man deiner Beschreibung entnehmen kann, in der von „(…) seiner Auffassung nach Unmoralischem wie Pornografie, von der er einen weitgefassten Begriff hat, sowie dem Schwangerschaftsabbruch, der schulischen Sexualerziehung, Prostitution und der Straffreistellung von Homosexualität“ die Rede ist.

Pornografie ist unmoralisch? Dann musst du deine Lammfrömmigkeit aber sehr hart durchgezogen haben in deinem langen bisherigen Leben… – das mit dem Abtreiben solltest du übrigens auch noch mal überdenken; über die Geschichte mit den Bienen und den Blumen auch, das mit der Homosexualität hast du sowieso falsch verstanden („Homosexuell wird ein Mensch in der Pubertät, wenn er von älteren Homosexuellen verführt oder sexuell missbraucht wird“, Kreuz.net). Seltsam: So alt und doch nicht viel gelernt. Mensch, Martin.

Aber das ist dir alles entschuldigt, schließlich bist du Katholik. Und diese Katholiken stehen dir ganz schön zur Seite: „Als homosexuelle Handlungen bezeichnet man eine Art der Sodomie“, heißt es etwa in der katholischen Wikipedia, und dass „die Auslebung homosexueller Neigungen eine schwere Sünde ist“. Dann zitiert man dort den Katechismus, in dem es heißt: „[Homosexuelle Handlungen] sind in keinem Fall zu billigen.“ Wie war das noch gleich mit Nächstenliebe?

Kuss und Umarmung,

Jan

Brschloch des Monats

Roland Koch

Die Perversion des Sozialstaatsgedankens: „Es gibt ja auch Missbrauch, und wenn man die Sache beurteilen will und wenn man sieht, dass wir beträchtliche Leistungen an die einzelnen Bürger dann dort geben, aus dem Steuergeld, dass die anderen Bürger bezahlen, dann darf das auf die Dauer nicht kommentarlos hingenommen werden.“

(Koch im Januar 2010 zu Hartz IV)

So, das war ein Jahr „Wort zum Alltag“ im Zementblog. Wie hat es euch gefallen? Bei Anregungen, Änderungsvorschlägen und Kritik freue ich mich über Kommentare.

Bild: Federica Olivieri

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4 Kommentare

  1. Februar 3

    Gibt’s nen aktuellen Grund, den ‚Martin‘ aus der Mottenkiste zu holen? Am besten einfach ignorieren… Also den Martin, nicht den Roland.

  2. Februar 3

    Einen aktuellen Anlass gibt es nicht, ich hatte das Wort nur in Anlehnung an eins der ersten Worte zum Alltag (März 2009 an Fred Phelps) wieder an einen Homophobiker gerichtet. Sicher ignoriert man solche Leute am besten einfach, aber sie sind ein gutes Beispiel für die Ausartung von Konservativismus und Religiosität, wie man es auch bei den Baptisten in Übersee beobachten kann.

  3. Februar 4

    1. Wer ist Martin?

    2. Er scheint nicht wirklich intelligent zu sein oder im Mittelalter irgendwie stecken geblieben!

    3. Mein hessischer Ministerpräsident ist immer noch der Alte.

  4. Februar 4

    Bei Martin handelt es sich, wie man per Klick auf „deine Beschreibung“ bei Wikipedia erfahren kann, den in Österreich als „Pornojäger“ bekannten Martin Humer.

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