Auf die Straße gegen BP!

Vor mehr als einem Monat ist im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ infolge einer Explosion gesunken, wodurch drei Lecks entstanden sind. Ein kleines dieser Lecks konnte Anfang diesen Monats geschlossen werden, trotzdem treten US-Regierungsexperten zufolge täglich bis zu vier Millionen Liter Rohöl aus (Wikipedia). Ein knapp 10.000 Quadratkilometer großer Ölteppich hat sich wie ein riesiges, zerstörerisches Monster auf der Wasseroberfläche ausgebreitet; das Öl hat bereits diverse Küsten erreicht und unzählige Wassertiere und Seevögel ausgerottet.

KBurning the Planetaum zu fassen ist die Tatsache, dass ein einzelner Konzern dieser Welt für diese unvorstellbare Katastrophe verantwortlich ist: BP, British Petroleum. Der Chef dieses Unternehmens, Tony Hayward, bemüht sich mehr, das erlogene grüne Image von BP als die Umwelt zu retten. Er hat allen Ernstes behauptet, BP werde die volle Verantwortung tragen und jeden einzelnen ausgetretenen Tropfen Öl beseitigen. Die ersten Maßnahmen scheiterten kläglich, waren dafür aber umso medienwirksamer: Öl-Barrieren im Meer waren teilweise wirkungslos, verhinderten also nur kaum, dass das Öl die Küsten erreichte. Dann inszenierte man die spektakuläre Verbrennung eines Teils des Ölteppichs, was zum einen komplett ineffektiv war (die giftigen Schadstoffe des Öls verbleiben), zum andern aber auch erhebliche Luftverschmutzungen verursachte. Auch setzte man chemische Substanzen ein, die das Öl unter der Wasseroberfläche zersetzen sollten – ohne Erfolg, da die Chemikalien auch selbst umweltschädlich sind und das Problem auf diesem Weg nur in die Tiefsee verlagert wird.

BP musste mehrfach einräumen, dass nicht genügend Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen wurden, während Millionen Wassertiere, Vögel und Mikroorganismen verreckten, verrecken und weiterhin verrecken werden. Die Ölpest wird noch jahre-, ja jahrzehntelange Folgen für die Natur haben. Dies ist keine höhere Gewalt – dies ist Schuld eines der größten Energiekonzerne.

Aber warum geht diese Meldung tatenlos an uns vorbei? Das einzige laute Wort in Deutschland ist die beiläufige, nur schwach empörte Kritik der Grünen gewesen, die lediglich unterschwellig zum Boykott des Unternehmens aufriefen – Bundesvorsitzender Cem Özdemir sagte dem Hamburger Abendblatt, es liege „in der Hand der Verbraucherinnen und Verbraucher, ihrem Unmut über das unverantwortliche Handeln von BP durch bewusstes Kaufverhalten Luft zu machen“. Nun sind die einstigen Hippies also so bürgerlich geworden, dass sie nicht einmal mehr das Wort „Boykott“ in den Mund nehmen können. Traurig ist das.

Und warum tun wir nichts? Los, gehen wir auf die Straße, protestieren, demonstrieren und plakatieren wir gegen BP! Boykottieren wir die hunderttausenden Aral-Tankstellen in Deutschland, veranstalten wir Protest-Aktionen vor den örtlichen Tankstellen, verteilen wir Flugblätter, prangern wir den verantwortlichen Konzern schamlos an. Lasst uns gemeinsam aktiv werden und diesem weltweiten Skandal entschlossen entgegentreten!

Bild: Mike Licht, NotionsCapital.com

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11 Kommentare

  1. frequentlywronganswers
    Mai 30

    Ja, lasst uns zu einer zentralen Großdemo nach Berlin oder Frankfurt……fahren….

  2. Mai 30

    Oder lasst uns in der uns nächsten Großstadt selbst eine Demonstration organisieren.

  3. Disi
    Juni 2

    Entschuldige Jan, aber besonders weit gedacht ist das in meinen Augen nicht. Was bringt denn bitte ein Boykott gegen BP? Deine Kritik an dem Vorgehen des Konzerns ist klar berechtigt, keine Frage, aber das Öl ist jetzt nunmal ausgetreten, beziehungsweise tritt noch immer aus, das Beseitigen der Lecks und die Aufräumarbeiten kosten Milliarden! Der Marktwert von BP ist inzwischen katastrophal, die US-Regierung will wahrscheinlich klagen, betroffene Küstenstaaten „bitten“ um Mithilfe, bzw. um finanzielle Unterstützung und vom Imageschaden, insbesondere in den Vereinigten Staaten, will ich gar nicht reden. Fakt ist: BP ist schon genug gestraft. Der Konzern wird noch jahrzehntelang für den Vorfall finanziell belangt werden und das Image, das BP zur Zeit hat und in nächster Zeit noch haben wird, ist bestimmt nicht das, was sich der Vorstand wünscht…
    Ein Boykott hilft doch niemandem! Weder den Menschen, noch den Tieren, die unter dem Öl zu leiden haben! Und wenn wir hier in Deutschland demonstrieren oder boykottieren, dann zeigt das zwar, wie wir zu der Sache stehen, trägt zu einer LÖSUNG des ganzen aber nen Scheiß bei. Und was gebracht wird ist eine Lösung! Wenn das Leck geschlossen ist und die Aufräumarbeiten im Gange sind, dann können wir BP kritisieren und versuchen Einfluss darauf zu nehmen, dass der Schaden für Mensch, Tier und Umwelt so gering wie nur möglich gehalten wird und dass eine Katastrophe wie diese nie wieder vorkommt. Liebe Grüße!

  4. Juni 2

    Fakt ist doch, dass BP nicht an einer Lösung arbeitet, sondern lediglich eine medienwirksame Show abzieht, die spektakulär und tatkräftig wirkt, letztenendes aber nicht zur Schließung des Lecks führt. Nachdem viele Versuche gescheitert waren, versuchte man mit Operation „Top Kill“, die als sicher und vor allem sichernd angekündigt wurde, das Problem des weiterhin austretenden Öls endgültig zu beseitigen. Was geschah aber? Im Grunde überhaupt nichts. „Top Kill“ hat sich zwar gigantisch angehört, jedoch keinen Schritt gen Ziel geführt. BP versucht vergeblich, engagiert, bemüht und bekümmert auszusehen. Eine Demonstration hier bei uns ist das einzige, was wir als einfache, stimmlose Bürger tun können. Damit würden wir auf das mittlerweile schon fast untergegangene brisante Thema aufmerksam machen, verantwortliche Personen bedrängen und die Öffentlichkeit provozieren können. Das Thema ist längst nicht vom Tisch und sollte tagesaktuell im Gespräch sein, was bedauerlicherweise nicht der Fall ist. Nebendem einen Boykott durchzuführen, würde BP spüren lassen, dass es sein Image international nicht mehr retten kann und endlich etwas wirkungsvolles tun muss – denn die Ausgaben für derlei Maßnahmen dürfen für den Konzern keine Rolle mehr spielen, was sie scheinbar tun, denn sonst hätte das Ziel bereits – zumindest teilweise – erreicht werden können, was angesichts der konzern-internen Experten abgesehen von der finanziellen Seite keine große Schwierigkeit sein dürfte. Die Verantwortung liegt, das muss allen klar sein, einzig und allein bei dem Konzern, der diese unvorstellbare Katastrophe bewirkt hat: BP.

  5. Disi
    Juni 3

    Erstens schrieb ich:“Deine Kritik an dem Vorgehen des Konzerns ist klar berechtigt“. ^^
    Trotzdem bin und bleibe ich der Meinung, dass ein Boykott hier in Deutschland relativ uneffektiv wäre.
    BPs einzige Chance, den enormen Imageschaden zu begrenzen, ist eine Lösung zu präsentieren.
    Falls Aktion „Top Kill“ für dich Imagearbeit ist, dann haben wir vielleicht unterschiedliche Auffassungen von Imagearbeit… Das Scheitern der Aktion ist, in meinen Augen, nicht besonders imagefördernd.

    Aber insgesamt muss ich dir mal ein riesen Lob für den Blog aussprechen!
    Die Inhalte sind gut und dein Blog hat eine total nette persönliche Note.
    Liebe Grüße.

  6. Juni 3

    Vielen Dank für das nette Lob, das höre ich gerne :).
    Zum Stichwort Imagearbeit: Obwohl alle Versuche von BP, das Leck zu schließen, scheiterten, so bleibt jedem medienmanipulierten Menschen doch in Erinnerung, der Konzern habe alles dafür getan und mit gigantischen Aktionen versucht, die Katastrophe auf kleinere Flamme zu bringen. BP sucht sich mit diesen Inszenierungen eine Ausrede, damit es bloß nicht so aussieht, als würden sie nichts tun. „Wir geben uns doch die allergrößte Mühe!“

  7. Disi
    Juni 14

    Aber genau dieses ständige Scheitern bleibt mir als extrem von Medien manipulierten Menschen im Gedächtnis! Ständig: „Wir geben uns die allergrößte Mühe, wirklich, aber wir schaffen es einfach nicht, sorry!“ Diese Unfähigkeit, die Scheiße (die eigentlich jedem anderen Ölkonzern auch hätte passieren können!), die man angerichtet hat, auch wieder hinzubiegen, das ist keine Werbung, das rettet auch nichts!

    Und wenn du den Boykott forderst, solltest du dann nicht wenigstens die Konsequenz haben, und den Boykott ALLER Ölkonzerne fordern? Die Förderung von Öl ist umweltschädlich, und das weiß man. Ich finde es inkonsequent zu sagen: „Boykottiert BP, die stecken grade so richtig in der Scheiße! Aber den Rest lasst mal, ist zwar auch nicht umweltfreundlich, aber die verdrecken grade nicht in dem Ausmaß die Umwelt.“

  8. Juni 14

    Natürlich wäre ein umfassenderer Boykott der bessere Weg, ganz allgemein müsste man das natürlich auch durchführen. Nur ist das ganze auch eine Frage der Beteiligung, somit eine der Realisierbarkeit. Ein Boykott muss von einer Masse durchgeführt werden, um Wirkung zeigen zu können. Man kann damit rechnen, dass die Masse wütend auf BP ist (und sofern sie das dank erwähnter Inszenierungen nicht ist, ließe sie sich mit Fakten überzeugen) und sich dem Boykott-Aufruf anschließt (obwohl all das leichter gesagt als getan ist). So wird es aber nicht mit allen Ölkonzernen funktionieren, die Leute werden sagen, die andern hätten ja nichts getan. In dieser Welt scheint man erst dann reaktionsfähig zu sein, wenn der schlimmstmögliche Fall bereits eingetreten ist.
    Um auf die Imagearbeit zurückzukommen – ich kann deine Argumente gut nachvollziehen. Nur meine ich, dass BP versucht, letztlich bestmöglich aus der Sache herauszukommen, indem sie die großen Inszenierungen später als Argumente für sich verwenden können.

  9. Disi
    Juni 14

    Und eben DAS denke ich nicht! Erstens wird man dem Konzern IMMER vorwerfen können, er habe nicht genug getan, nicht absolut jede noch so kleinste Chance am Schopf ergriffen und zweitens hilft das Argument „Wirklich, wir haben’s versucht…“ BP nicht weiter! Der Konzern kann sein Image meiner Meinung nach nur noch retten, indem sie in erster Linie finanziell für die Schäden grade stehen. Aber nur zu sagen:“Sind die Scheiße“ bringt nichts- vorallem langfristig. Man sollte viel mehr Fragen: „wie konnte es überhaupt so weit kommen?“. Wie kann es erlaubt sein, unterwasser Öl zu fördern? Dass man dort wesentlich schlechter agieren kann und dass das ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellt, ist sogar mir klar. Ich finde das Unglück führt einem eigentlich nur vor Augen, dass der Mensch an sich absolut nichts dazugelernt hat. Die Habgier führt dazu, dass jeder Tropfen Öl gefördert wird und Umweltschäden sind egal, quasi Kollateralschäden.

    Übrigens denke ich, dass es unklug wäre den Konzern zu boykottieren und somit weiter zur Wertminderung des Konzerns beizutragen. BP braucht Geld, jetzt und auch noch in 20 Jahren. Die Aufräumarbeiten müssen finanziert werden, Geschädigte müssen finanzielle Ausgleiche bekommen usw… Überleg doch mal, was passiert, wenn der Konzern Insolvenz anmelden muss, die finanziellen Mittel ausgeschöpft sind oder der Konzern zerschlagen wird?! Denk an die Mitarbeiter, die bezahlt werden müssen…

    Ein Boykott ist keine Lösung. Dann sammel lieber Geld und spende es an Hilfsorganisationen, die versuchen ölverschmierte Tiere und / oder die Natur zu retten oder die Opfer finanziell unterstützen…

  10. tommy
    Juni 14

    Boykott ja, aber wie? Punkt 1: Es muss folgendes klargestellt werden das fördern und verkaufen von Öl ist und bleibt ein Verbrechen an der Menschheit und nichts anderes. Denn die Zerstörung des Ökosystems unserer Erde ist die Pure Vernichtung der Lebensgrundlage unserer kinder und kindeskinder und somit ein sehr Grausames und Dummes Verbrechen. Punkt 2: Organisiert euch Friedlich und Präzise , damit meine ich zum beispiel 2400 freiwillige verteilen sich auf alle Aral-Tankstellen in Deutschland und machen die menschen auf Punkt 1 aufmerksam, mit Flyern Plakaten usw. Sehr wichtig dabei ist, es muss am selben Tag geschehen, das strahlt Entschlossenheit und eine gewisse Macht aus. Punkt 3: Vielleicht wird so eine welle ausgelöst die die Menschen nachdenken lässt, was sind Menschenrechte, wo fangen sie an und wo hören sie auf. Sehr einfach zu verstehen wenn man die Ungeborenen Menschen zur Menschheit dazuzählt.

  11. Disi
    Juni 16

    1. Eine gewisse Macht? Die Formulierung finde ich etwas unglücklich…
    2. Und dass die Förderung von Öl beschissen ist, erwähnte ich bereits.
    3. War die Frage nicht eigendlich, OB ein Boykott sinnvoll ist und nicht, WIE man einen Boykott durchführt?
    4. Ich halte Punkt 3 von Tommy für etwas illusionistisch…

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