Reformismus und Revolution

Ist eine reformistische Politik der richtige Weg, aus dem Kapitalismus herauszukommen? Kann der Reformismus ebenso zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme führen wie sie eine Revolution bewirken könnte? Diese Fragen tauchen im linken Spektrum immer wieder auf, wenn alteingesessene von der Revolution des Proletariats Träumende etwa die Strategie der Linkspartei kritisieren.

Als Reformismus bezeichnen wir die Taktik, das bestehende politische System insgesamt zu verändern, indem Teile desselben planvoll nacheinander umgestaltet werden. Es wird also ganz und gar auf revolutionäre Verfahren verzichtet und stattdessen ein gewaltloser Schleichgang eingelegt. Man versucht, das bestehende System mit Reformen erträglicher zu machen und abschließend ganz abzuschaffen.

Reformismus ohne Fortschritt

Das Problem dabei ist, dass es ganz leicht passiert, dass man das System einfach beibehält, weil man im Laufe der Zeit mit den eigenen Anpassungen gut zu leben gelernt hat und gar nicht mehr so unzufrieden ist, wie man es einst war. Man hat sich in das gängige politische Spektrum eingegliedert und verliert die marxistische Denkweise zunehmend, ohne die man den Kapitalismus nicht mehr schlecht findet, weil man ja im Glauben lebt, ihn zurechtgeschneidert zu haben. Das läuft insgesamt nur noch darauf hinaus, dass gar nichts passiert ist.

Bleibt uns aber etwas anderes übrig als reformistische Politik? In diesen Tagen sind wir kaum anders handlungsfähig, da wir nur im Rahmen der Legalität etwas erreichen können – und diese Legalität schließt revolutionäres Handeln nunmal aus. Sicher hatten Revolutionen noch nie die Absicht, sich ausschließlich im gesetzlichen Rahmen zu bewegen. Die Situation heute in Deutschland verlangt aber, dass Politik legal und nicht nur legitim ist, um anerkannt werden zu können.

Im Rahmen des Möglichen

Eine Arbeiterrevolution ist heutzutage so abwegig und unrealistisch wie kaum etwas anderes. Schuld daran ist auch das verloren gegangene Arbeiterbewusstsein. Der Arbeiter nimmt sich selbst nicht mehr als das wahr, was er im Klassenkampf darstellte: den Marx’schen Proletarier. Dies wäre aber allererste Voraussetzung für eine Revolution.

Insgesamt ist Reformismus in der großen Politik wohl die einzige Möglichkeit, bestehende Verhältnisse zu verändern und nach einer gerechteren Gesellschaft zu streben. Wichtig ist dabei nur, nicht die eigentliche Gesinnung aus den Augen zu verlieren und selbst im Parlament niemals zu einer angeglichenen, verbürgerlichten Partei zu verkommen, die letztlich auf der Stelle steht. In konfliktreichen, zugespitzten Situationen im unmittelbaren Umfeld aber kann revolutionäres Handeln durchaus Früchte tragen, sofern es gut durchdacht und geplant ist. Der Revolutionsgedanke soll nicht grundsätzlich verloren gehen, denn er ist, was Motivation, Solidarität und Gemeinschaft vorantreibt. Dennoch müssen wir auf dem Boden der Tatsachen bleiben und sehen, was wir hier und jetzt am System verbessern können, solange wir doch innerhalb dessen zu leben gezwungen sind.

Zementblog bei Facebook!    Zementblog bei Twitter folgen!

Hauptspeise

Dessert

Dir gefällt Zementblog? Unterstütze uns mit einer Spende bei PayPal - jeder Beitrag zählt!

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.