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	<title>Zementblog &#187; Kritik</title>
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	<description>Das Original: Zementär-revolutionär.</description>
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		<title>Die Natur als Intrigantin für den Kopf</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 18:50:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wann fing alles an? Wo hört alles auf? Derlei Fragen können in den Wahnsinn treiben, versucht man, eine plausible Antwort zu finden, eine eindeutige Antwort, oder auch nur einen Hinweis auf eine mögliche Antwort. Müssen wir deshalb die Frage umformulieren &#8211; oder unser Denken völlig neu reflektieren? Anfang und Ende gibt es vielleicht nur im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p>Wann fing alles an? Wo hört alles auf? Derlei Fragen können in den Wahnsinn treiben, versucht man, eine plausible Antwort zu finden, eine eindeutige Antwort, oder auch nur einen Hinweis auf eine mögliche Antwort. Müssen wir deshalb die Frage umformulieren &#8211; oder unser Denken völlig neu reflektieren?</p>
<p>Anfang und Ende gibt es vielleicht nur im Menschenkopf, dessen Träger immer einen <em>Ausschnitt</em> von etwas besehen will. Er betrachtet einen spezifischen Zeitraum, einen bestimmten Teil der Welt, und versucht nun, diese anhand dessen zu erklären. Am Ende wird er uns eine Ordnung vorstellen, die er entworfen hat, das untersuchte Problem verständlich zu machen oder auf abstraktem Wege zu lösen.<span id="more-5083"></span> Möglich ist auch, dass er eine Simplifizierung vornimmt, die Laien helfe, den Sachverhalt zu verstehen. Immer aber wird uns dieser Wissenschaftler ein System liefern, in dem alles Sinn macht und nichts zu fehlen scheint. Ein theoretisch logischer Raum wurde konstruiert, in dem wir uns ohne Schwierigkeiten aufhalten können.</p>
<p><strong>Dem Ganzen auf den Grund kommen wollen</strong></p>
<p>Wenn wir es nun wagen sollten, aus diesem Raum auszubrechen und dem Ganzen auf den Grund kommen zu wollen, so werden wir &#8211; wie eingangs bemerkt &#8211; die Grenzen unserer Denkfähigkeit beklagen und jämmerlich zusammensinken. Wir wollen einen Sinn finden &#8211; des Lebens, des Universums und des ganzen Restes. Betasten wir auf dieser Suche jedoch die äußeren Ränder des uns umschließenden Raumes, merken wir: Hier ist nichts in sich stimmig. Hier gibt es keinen Halt. Kein oben, kein unten, kein A und kein B. Was nun?</p>
<p>Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass all die Wissenschaftler, Welterklärer und Bedeutsamen nicht mehr sind als Individuen unserer Art. Sie wollten womöglich nie Teil eines im Rückblick als großes Menschheitsprojekt wahrgenommenen Prozesses werden, wollten stattdessen vielleicht nicht mehr und nicht weniger als ihren subjektiven Sinn im Leben finden. Den findet der eine im Gotteshaus, der andere im Sport, der nächste im Handwerk, und so weiter. Der Wissenschaftler findet ihn in seiner Wissen- und bestenfalls gleichermaßen Leidenschaft. So schaut er sich die Natur genauer an, bemerkt Unklarheiten, schafft diese mit seinen besonderen Mitteln beiseite; schon steht sein Name noch Jahrhunderte später in den wichtigen Büchern.</p>
<p><strong>System nur mit dem System</strong></p>
<p>Nach und nach haben wir auf der Grundlage vieler Arbeiten solcher eigenständigen Individuen, die vielleicht nur sich selbst, nicht die ganze Welt bereichern wollten, unser feines <em>Weltbild</em> beisammen. Dieses können und dürfen wir aber nur auf diese unsere Welt beziehen, nichts weiter! Denn eben darum kommt es dazu, dass wir so verzweifeln: Ein System lässt sich nur mit innersystemischen Mitteln begreifen. Außersystemische Entitäten oder gar ganze äußere Systeme werden uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln immer etwas ferner als unsere eigene Welt liegen, werden uns nie vollständig ersichtlich sein. Genauso verhält es sich mit dem subjektiven Charakter jedes anderen Individuums als uns selbst: Wir können ihn äußerlich beschreiben und Vermutungen darüber anstellen, wie er beschaffen ist &#8211; am Ende bleibt uns doch nichts, denn die Spekulation wird immer Spekulation bleiben, zwangsläufig. Ich kann dir meine<em> Vorstellung</em> davon darlegen, wie du denkst und fühlst, niemals aber werde ich es wissen können. Ich kann dir meine <em>Vermutungen</em> darüber darlegen<em></em>, wo alles anfing und wo alles aufhört, niemals aber werde ich sie beweisen können.</p>
<p>So mag sich der eine aus der Verzweiflung lösen, indem er sich am Glauben festhält, der andere mag ewig nach logischen Erklärungen suchen. Er wird keine finden; ein logisches Muster wird hier nicht greifen. Was darüber hinausgeht, will man entweder durch Mystifizierung verklären oder enttäuscht abtun. Stattdessen könnte man den Weg auch <em>rückwärts gehen</em>: Wenn es in der Natur schon keinen Anfang und kein Ende gibt, warum sollten wir uns dann länger in unseren weltumspannenden Konzepten damit aufhalten?</p>
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		<title>Zensur: Deformiert informiert</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 19:12:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was wissen wir eigentlich – und woher? Egal, ob morgens in der Zeitung, mittags im Ra­dio oder abends im Fernsehen: Wir haben schon vorher selektiert. So lesen wir in einer bestimmten Zeitung, hören einen bestimmten Rundfunksender und schauen ein bestimm­tes, vorher ausgewähltes TV-Programm. Diese Entscheidungsfreiheit lassen wir uns nicht nehmen – wir können uns kaum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><div class="wp-caption alignleft" style="width: 226px"><img style="margin: 10px;" title="dasd" src="http://farm5.staticflickr.com/4128/5171679608_39976d33d4_m.jpg" alt="Das Schlimmste an Zensur ist ----------" width="216" height="144" /><p class="wp-caption-text">Foto: Timo Heuer/Flickr.</p></div>
<p>Was wissen wir eigentlich – und woher? Egal, ob morgens in der Zeitung, mittags im Ra­dio oder abends im Fernsehen: Wir haben schon vorher selektiert. So lesen wir in einer bestimmten Zeitung, hören einen bestimmten Rundfunksender und schauen ein bestimm­tes, vorher ausgewähltes TV-Programm. Diese Entscheidungsfreiheit lassen wir uns nicht nehmen – wir können uns kaum mehr vorstellen, dass es anders sein könnte. Doch han­delt es sich tatsächlich um eine Freiheit?<span id="more-5069"></span> Immerhin sind wir letztlich doch nur Konsumen­ten eines vorgefertigten Menüs. Die Zutaten sind immer dieselben, doch in jedem Laden schmeckt der Auflauf anders.</p>
<p>Wenn wir die Nachrichten sehen, glauben wir meist automatisch, wir würden objektiv infor­miert werden. Doch kann das überhaupt sein? Es spricht einiges dagegen: Zunächst ge­langt die Meldung durch die immer gleichen großen Presseagenturen (DPA, AP, Reuters) in die Redaktionsräume, das heißt, dass sie schon im Voraus nach subjektiven Kriterien aus­gewählt und aufbereitet werden musste. Es liegt gleichzeitig auf der Hand, dass die Pres­seagentur diejenige Instanz ist, die unbemerkt den Informationsfluss kontrolliert und fest­legt, worüber im Mainstream berichtet wird und worüber nicht – umso besser, wenn es nur eine Handvoll großer, als seriös geltender Agenturen auf dem Markt gibt.</p>
<p>Alles weitere ist vom Journalisten abhängig, der versucht, sich möglichst ausgewogen zu informieren und damit ein ausgeglichenes Bild zu liefern, das den Konsumenten dazu be­fähigt, frei zu urteilen – jedenfalls gehen wir davon aus. Doch es ist erstens nicht vom Journalisten, sondern vom Konzern abhängig, worüber wie berichtet wird; er ist es schließ­lich, der sich seine Belegschaft aussucht und schon dabei ein genaues Bild (die „Leitlinie“) im Kopf hat, welches er umgesetzt sehen möchte. Zweitens ist bereits die Auswahl der Quellen für einen Artikel, einen Bericht oder eine Nachricht subjektiv. Kurz gesagt: Unsere Entscheidungsfreiheit ist die Wahl, keine zu haben.</p>
<p>Es sind also profitgesteuerte Einrichtungen, die uns feinsäuberlich gefilterte Informationen servieren, garniert mit eigener Anschauung. Das ist im Prinzip nichts anderes als die auto­matisierte Zensur der Marktwirtschaft – auf nächsthöherer Ebene, im staatlichen Gefüge, dürfen wir dann auch offiziell von Zensur sprechen. Dem Duden zufolge ist das die staatli­che „Kontrolle von Druckwerken, Filmen, Briefen o. ä. im Hinblick auf Unerlaubtes oder Unerwünschtes“, während die deutschsprachige Wikipedia Zensur als „ein politisches Ver­fahren“ beschreibt, dessen Zweck es ist, „zu kontrollieren“ oder „zu unterdrücken“. Damit ist die Zensur also die unmittelbare Schnittstelle zwischen dem Produkt eines kreativen Prozesses und dem Machtpotenzial gesellschaftlicher oder politischer Autoritäten – sie po­litisiert also die Kultur. Andersherum wird aber auch die jeweilige Autorität „kulturalisiert“, zumal sie dazu gezwungen ist, sich in irgendeiner Weise mit dem Werk auseinanderzuset­zen und in dieser kreativen Schöpfung eventuell ein zu beseitigendes Problem zu entde­cken.</p>
<p><strong>„Staatsfeindliche Hetze“</strong></p>
<p>Doch wie hat eigentlich alles begonnen? Schaut man einmal auf die Geschichte der Zen­sur zurück, merkt man leicht: Zensur gab es eigentlich schon immer. Es deutet jedoch al­les darauf hin, dass die katholische Inquisition mit ihrem „Index Librorum Prohibitorum“, ei­ner Liste von für Katholiken verbotenen Büchern, die erste größere Machtinstanz war, die den ideologischen Nutzen von Zensur erkannt und entsprechend gehandelt hat. Das hatte vermutlich unter anderem zur Folge, dass man seither Zensur immer auch als Mittel der Repression eingesetzt hat – vorausgesetzt, ein Staat war derart eingerichtet, dass gewisse Tendenzen sein Grundgerüst gefährden konnten. So stellte beispielsweise in der DDR der als Gummiparagraph bekannt gewordene § 106 des Strafgesetzbuches „staatsfeindliche Hetze“ und, noch brisanter, den „Missbrauch der Medien für die bürgerliche Ideologie“ un­ter Strafe. Zensur war dabei die Abwehr von Ideologie mit Mitteln der eigenen Ideologie, längst nicht nur in der DDR.</p>
<p>Schon in der 1644 erschienenen Polemik „Aeropagitica“ widmete sich der englische Schriftsteller John Milton der Bekämpfung der Vorzensur, also der Zensur, wie wir sie ken­nen: ein Werk wird vor seiner Erscheinung durch eine höhere Gewalt gekürzt, geändert oder verboten. Bei seiner Argumentation ging Milton besonders auf die Rolle der Wahrheit ein. Die Vorzensur habe demnach einen negativen Einfluss auf die Verbreitung der Wahr­heit, da sich diese immer erst durch eine Auseinandersetzung mit Irrtümern herausbilde. Die „endgültige Wahrheit“ sei also gewissermaßen eine Synthese aus progressiven und regressiven Werken, deren Aufeinandertreffen, sprich: deren Abwägung richtig und falsch zu Tage fördere. Den Menschen diese Wahrheit aber vorzuenthalten komme, so Milton, dem Mord gleich.</p>
<p><strong>Demokratie unzensiert?</strong></p>
<p>Heutzutage fällt uns beim Stichwort Zensur oft spontan China ein, wo man gerade im In­ternet sehr rigoros sperrt und verfolgt und löscht. Meistens schieben wir Zensur sowieso nur den besonders auffällig autoritär regierten Ländern dieser Welt in die Schuhe. Demo­kratie und Zensur – das geht für viele schon per se nicht zusammen. Die sogenannte „Nachzensur“, also die Eventualität der juristischen Konsequenz, die ein Werk nach sich ziehen kann, ist allerdings auch im deutschen Grundgesetz nicht ausgeschlossen. So soll die Öffentlichkeit an einer „nachträglichen Zensur“ direkt beteiligt werden.</p>
<p>Zensur kann zwar als Destruktionskraft auf subjektiver Grundlage für Einseitigkeit sorgen (und das tut sie auch in den meisten Fällen), andererseits kann sie aber auch als emanzi­patorischer Antrieb Verleumdung und Volksverhetzung in ihre Schranken weisen oder dem Jugendschutz dienen. Das sind zwei Seiten einer Medaille, die gleichermaßen zu berück­sichtigen sind, obwohl sie nicht gleichermaßen umgesetzt werden. Denn das hängt immer davon ab, welches politische Interesse verfolgt wird, ganz gleich, ob in einer Demokratie oder einer Diktatur. Ganz gleich, ob davor oder danach, Zensur ist immer eine Informati­onskontrolle, deren letztes Resultat der Machterhalt der kontrollierenden Eliten ist. Wie das Freudsche Über-Ich üben diese nunmal die „moralische Zensur“ aus – und die Moral be­kommen wir von oben aufgesetzt. Ob diese Eliten gesellschaftliche Interessenverbände, Wirtschaftslobbyisten oder politische Parteien sind, spielt dabei keine Rolle.</p>
<p>Nicht umsonst gibt es den Begriff des Mainstreams: Er bezeichnet ausdrücklich einen fest­gelegten, relativ geradlinig verlaufenden „Mittelweg“, den zu beschreiten das Erfolgsrezept für jedes Medienprojekt ist. Der Konsens besteht dabei im wesentlichen aus dem Erhalt des Bestehenden und der Festigung verbreiteter Werte. In der Demokratie ist dabei eine „freiheitlich demokratische“ Grundhaltung unabdingbar, aus der jedoch resultiert, dass sich Partikularinteressen auf anderem Wege als der der verbotenen Zensur durchsetzen müs­sen.</p>
<p>Das wird zum einen durch das Hegemonieprinzip sichergestellt, zum anderen aber auch auf ganz platte Weise &#8211; das aktuellste bekannte Beispiel ist die enge Verflechtung Gutten­bergs mit der Bild-Zeitung und deren populistische Berichterstattung während der Plagiats­affäre. Profitieren eine oder beide der verhandelnden Seiten, wird abseits jeglicher zumin­dest ethischer Bedenken eine Vereinbarung getroffen. Am Ende erhalten wir tendenziösen Journalismus, der frei ist – frei von Abwägung oder transparenter Argumentation.</p>
<p><strong>Um die Ecke informieren</strong></p>
<p>In einer Gesellschaft, in der man sich auf die Hegemonie des Status quo, also den „vor­herrschenden Konsens“ verlassen kann, braucht es kaum mehr autoritäre Zensurstruktu­ren. So werden Minderheiten in ihrer Stimme übergangen und alternative Informationsbe­schaffung zur Notwendigkeit. Das ist heutzutage über Plattformen wie <a title="Indymedia Deutschland" href="http://de.indymedia.org" target="_blank">Indymedia</a> möglich, einem partizipativen Internetportal, das regelmäßig der aktuellen Berichterstattung nicht nur eine Alternative bietet, sondern auch Dinge hervorhebt, die – ob nun bewusst oder un­bewusst – im medialen Mainstream gar nicht auftauchen. So finden sich zum Beispiel Be­richte von Demonstrationen aus Perspektive der Demonstranten oder es kommen Men­schen zu Wort, die andernorts außen vor gelassen werden.</p>
<p>Genau das ermöglicht erst jene Synthese, jenes Abwägen zwischen richtig und falsch – in diesem Fall zwischen zwei subjektiven Positionen (dem Mainstream und der alternativen Information), mittels derer wir ein klareres Bild von der Wirklichkeit bekommen können. Ein solches Bild ist heutzutage unabdingbar, wenn man sich nicht auf staatstragende Medien verlassen möchte, deren Anspruch selten aus mehr als der Verteidigung des Bestehenden besteht.</p>
<p>In Zeiten des Web 2.0 wird das eigenständige Abwägen einfacher, könnte man meinen. Blogs wie <a title="Feynsinn" href="http://www.feynsinn.org" target="_blank">Feynsinn</a>, die <a title="NachDenkSeiten" href="http://www.nachdenkseiten.de" target="_blank">NachDenkSeiten </a>oder der <a title="Annalist" href="http://annalist.noblogs.org" target="_blank">Annalist</a> bereiten regelmäßig Themen aus aktuellen Debatten kritisch auf. Sie fördern damit eine rege Diskussionskultur, aus der für das Individuum schnell hervorgeht, an welchen Stellen die üblichen Formate Defizite aufweisen. Gleichzeitig erfreuen sich allerdings Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter auch als Informationsquelle immer mehr Beliebtheit – die Fülle an Meldungen, Meinungen und Merkwürdigkeiten ist also gewaltig, sodass eine Selektion zur schweren Aufgabe wird. Am Ende kommt dabei heraus, dass man sich doch wieder auf die Tages­schau und Spiegel online verlässt – das ist am einfachsten.</p>
<p><strong>„Politische Ausgewogenheit“</strong></p>
<p>Heute spielt Zensur weltweit immer noch eine große Rolle, gerade wenn es um Fragen der Pressefreiheit geht. Auch in Europa ist Zensur keine Ausnahme – so trat zum 1. Januar 2011 in Ungarn ein neues Mediengesetz in Kraft, das der „Nationalen Medien- und Info­kommunikationsbehörde“ (NMHH) die vollständige Medienkontrolle übergibt. Durften bis­her nur öffentlich-rechtliche Medien auf „politische Ausgewogenheit“ überprüft werden, so gilt dies nun auch für private Medien aller Formen. In einer Protesterklärung drückten hun­derte ungarische Schriftsteller ihr Entsetzen darüber aus – die Süddeutsche Zeitung zitier­te sie mit den Worten: „[Das ungarische Mediengesetz] stellt die Zensur wieder her, missachtet das Prinzip der Gewaltenteilung, widersetzt sich mit allen Mitteln den Grundprinzipien der Demokratie und dem Geist der Freiheit.“</p>
<p>Unbestreitbar ist jedenfalls, dass die völkische Fidesz-Regierungspartei durch ihre Zwei­drittelmehrheit im Parlament eine Verfassungsänderung durchsetzen konnte, die drasti­sche Konsequenzen haben wird. So werden jedem Verstoß gegen jene „Ausgewogenheit“ hohe Geldstrafen entgegengesetzt – zudem hat Regierungschef Viktor Orbán die Präsi­dentin der zuständigen Behörde NMHH für gleich neun (!) Jahre vereidigt. So ist ein Fidesz-konformes Vorgehen auch nach einem eventuellen Regierungswechsel gesichert. Auch kann die Arbeit der Behörde, da sie in der Verfassung verankert wurde, nur durch eine Zweidrittelmehrheit wieder geändert werden.</p>
<p>Die Fidesz-Regierung hat damit, und so schließt sich der Kreis, ihre besondere Vormacht­stellung dazu ausgenutzt, sich diese Macht bis auf weiteres endgültig zu sichern. Das ge­schieht eben auch durch Eingriffe in die Medien. So wurde schon am ersten Tag des In­krafttretens des neuen Mediengesetzes ein Verfahren gegen einen privaten Radiosender aus Budapest eingeleitet, da dieser einen Song des bekannten Rappers „Ice-T“ gespielt hatte, den die NMHH für „jugendgefährdend“ hielt.</p>
<p>Doch auch in Deutschland zeichnen sich immer wieder entsprechende Entwicklungen ab, wenn etwa die Staatsanwaltschaft in Berlin gegen linke Buchläden vorgeht, weil diese mit der Auslage gewisser Publikationen öffentlich zu Straftaten anleiteten und gegen das Waf­fengesetz verstößen. Gerade durch die Ideen der Familienministerin Kristina Schröder, de­ren Absicht es ist, rechten und linken sogenannten „Extremismus“ gleichzusetzen, wird im­mer stärker gegen alternative linke Strukturen vorgegangen. Gerade linke Publikationen stehen offenbar unter wacher Aufsicht, die nur darauf wartet, auf Formulierungen zu stoßen, die sich als „Aufruf zu einer Straftat“ durchjuristifizieren lassen. Fast möchte man schon daran glauben, dass demnächst Tucholsky, Brecht und Benjamin als „antidemokra­tisch“, „verfassungsfeindlich“, ja „extremistisch“ aus den Regalen genommen werden.<br />
Feinde der Pressefreiheit</p>
<p>Die wohl aktuellsten und aufschlussreichen Beispiele sind jedoch in den Arabischen Län­dern zu finden, deren Revolutionswelle sich nicht zuletzt gegen staatliche Zensur richtete und sich für Pressefreiheit einsetzte. Wie die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (RoG) gegenüber <em>Zementblog</em> erklärte, eröffnen sich beispielsweise in Tunesien oder Ägyp­ten nun „neue Chancen und Perspektiven für die Entwicklung einer freien Presse“. Der „arabische Frühling“ sei „ eine der hoffnungsvollsten Entwicklungen, die wir derzeit beob­achten“. Global bleibe die Situation jedoch weiterhin „besorgniserregend“: „Zwei Drittel der Menschheit lebt in Ländern, wo Zensur herrscht, Journalisten und Blogger umgebracht oder ins Gefängnis geworfen werden. Nach unseren Informationen sind heute weltweit mindestens 150 Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit inhaftiert. Seit Jahresbe­ginn haben mindestens 19 Journalisten und zwei Medienassistenten wegen ihrer Arbeit das Leben verloren.“</p>
<p>„RoG“ hat kürzlich wieder die weltweiten „Feinde der Pressefreiheit“ benannt – allesamt missbrauchten sie, so „RoG“, „ihre Macht, um kritische Medien zu zensieren, Journalisten zu entführen, zu foltern und zu ermorden“. Trotzdem werde es auch in besonders repressiven Staaten „immer neue Schlupflöcher für freie Meinungsäußerung geben“, bei­spielsweise im Internet, derer sich demokratische Bewegungen bedienen können.</p>
<p>Es zeichnet sich ab, dass Zensur erst dann bekämpft wird, wenn sie offensiv stattfindet. Strukturelle Zensur oder Kontrolle nach Profit werden selten wahrgenommen, da sie impli­zit stattfinden und sich sämtliche Akteure in Freiheit glauben. Zudem ist es schwierig, bei diesen Formen der „Zensur“ Einzelverantwortliche ausfindig zu machen, da diese erst in ihrer Interdependenz zu dem werden, was sie sind.</p>
<p><small><em>Dieser Artikel erschien in veränderter Fassung als Leitartikel im <a title="Wahrschauer - Aktuelles Heft" href="http://wahrschauer.net/inhalt-aktuelles-heft.html" target="_blank">Wahrschauer</a> 60/2011.</em></small></p>
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		<title>Ohne Hände Druck</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 20:47:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Besen den Schnee mit den Lungen das Laub doch es dröhnt mir fallen die Ohren ab ich halte meine Hände fest doch womit? Dein Griff ohne Finger dein Kuss ohne Lippen sanft wie die Haut ihres Säuglings in den Armen liegt er zu viel Licht drumherum mit den Tropfen schon blind gemacht. Mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p>Mit dem Besen den Schnee<br />
mit den Lungen das Laub<br />
doch es dröhnt<br />
mir fallen die Ohren ab<br />
ich halte meine Hände fest<br />
doch womit?<span id="more-5057"></span></p>
<p>Dein Griff ohne Finger<br />
dein Kuss ohne Lippen<br />
sanft wie die Haut ihres Säuglings<br />
in den Armen liegt er<br />
zu viel Licht drumherum<br />
mit den Tropfen schon blind<br />
gemacht.</p>
<p>Mit der Zunge den Regen<br />
mit dem Atem die Sonne<br />
und es friert<br />
Fingerspitzen berühren ihre Nase<br />
und du weinst<br />
und ich lache.</p>
<p>Hältst du mich bitte<br />
ganz kurz fest?<br />
Du, der lacht<br />
Mich, die weint.</p>
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		<title>Mutter-Kind-Kur</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 09:44:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
		<category><![CDATA[Kindesmissbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;I&#8217;m Not Your F**king Princess&#8221; bald im Kino Kann ein autobiographischer Film über Kindesmissbrauch frei von voreiliger Wertung sein? Die französische Schauspielerin Eva Ionesco, die selbst im Kindesalter Foto-Aktmodell ihrer Mutter war, hat es in ihrem Regiedebüt gewagt, ihre Erfahrung filmisch umzusetzen. Ohne jeden moralischen Anspruch zeigt sie ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis so, dass wir als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p><strong>&#8220;I&#8217;m Not Your F**king Princess&#8221; bald im Kino<br />
</strong></p>
<p>Kann ein autobiographischer Film über Kindesmissbrauch frei von voreiliger Wertung sein? Die französische Schauspielerin Eva Ionesco, die selbst im Kindesalter Foto-Aktmodell ihrer Mutter war, hat es in ihrem Regiedebüt gewagt, ihre Erfahrung filmisch umzusetzen. Ohne jeden moralischen Anspruch zeigt sie ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis so, dass wir als unvoreingenommene Beobachter, nicht aber Voyeurs zuschauen dürfen. Die zehnjährige Hauptdarstellerin Anamaria Vartolomei erscheint deshalb auch nicht als „kleine Prinzessin“, was angesichts der Lebensgeschichte der Regisseurin vielleicht zu befürchten war.<span id="more-5014"></span></p>
<p>Im Paris der 70er Jahre versucht die exzentrische Mutter Hannah, sich als Fotografin um jeden Preis aus ihren prekären Lebensverhältnissen zu retten. Die instabilen Beziehungen zu ihrem Gönner, ihrer Großmutter und schließlich zu ihrer Tochter offenbaren ihre neurotischen Züge; das Zwanghafte steht ihr ins Gesicht geschrieben.<br />
Hannah entwickelt ein manipulatives Nutzen-Verhältnis zu ihrer Tochter Violetta: Sie fotografiert und inszeniert sie in barocken, zuweilen kitschigen Bildern. Nach und nach entsteht eine Obsession; Hannah macht aus dem Kind eine Puppe, die selbst dann nichts sagt, als man sie auszieht.</p>
<p>Violetta steht zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite ist sie beeindruckt vom berauschten Künstlertum ihrer Mutter. Auf der anderen Seite möchte sie ein ganz normales Mädchen sein, das auf dem Pausenhof mit Freunden herumalbern kann. Dieser Konflikt verschärft sich, als die Ur-Großmutter stirbt und Violetta nur noch ihre Mutter hat, die sie mehr ausbeutet als beschützt. Hannah nutzt die neue Situation aus und treibt es immer wilder, Violetta wird endgültig zur Lolita und zur Skulptur für die nächste Vernissage. Ästhetik und Selbstekel, Erotik und Kindesmissbrauch, Wohlstand und Disharmonie gehen in diesem Film Hand in Hand. Wir sehen immerhin auch eine älter werdende Violetta, die sich aus ihrer Lage zu winden versucht, den Wahnsinn ihrer Mutter endlich als solchen begreift und ihre Füße statt zum Modellstehen zum Davonlaufen benutzt.<br />
Während Vartolomei den Eindruck kindlicher Naivität durch emotionale Intelligenz und Selbstbewusstsein zu ersetzen weiß, überzeugt Isabelle Huppert in der Rolle der Mutter durch ihre Fähigkeit zur Authentizität.</p>
<p>In der ersten Szene konnten wir ein braves Mädchen dabei beobachten, wie es auf der Straße spielt und auf seine Puppe aufpasst. In der letzten Szene sehen wir, wie dieses Mädchen vor seiner Mutter flieht. Dazwischen hat Ionesco mit den linearen Mitteln des Märchens eine Geschichte erzählt, die in ihrer Tiefe tatsächlich unter die Haut geht. Dazu tragen vor allem ein durchgängig düsteres Licht und der trostlose Gesichtsausdruck der tragenden Charaktere bei. Mit passend gewählten Darstellern legt Ionesco paradoxe Beziehungen und Charaktere frei, verzichtet dabei aber darauf, mahnend den Zeigefinger zu heben.<br />
Ich bin aus dem Kino gekommen und wusste nicht, wie ich mit dieser intensiven Verfilmung umgehen sollte – sollte ich mich freuen, dass sie gelungen ist, oder sollte ich weinen, weil sie im Grunde eine Zuspitzung unserer Realität ist?</p>
<p><small>Kinostart: 27.10.2011 | Originaltitel: &#8220;My Little Princess&#8221; | Regie: Eva Ionesco | Mit Isabelle Huppert, Anamaria Vartolomei, Georgetta Leahu u. a.</small></p>
<div class="shr-publisher-5014"></div><!-- Start Shareaholic LikeButtonSetBottom Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetBottom Automatic -->]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Deine wehende Fahne</title>
		<link>http://www.zementblog.de/2011/09/21/deine-wehende-fahne/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 13:53:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrepublik]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Patriotismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Deine wehende Fahne, häng sie ab, ich kann sie nicht mehr sehen. Sie schreit mich an, jeden Tag, schreit und schlägt mir ins Gesicht. Häng sie ab, häng sie ab, ich kann sie nicht mehr sehen. Sie sagt: Ich bin so stolz, ach, ich bin so stolz auf dieses Land. Sie sagt: Die Vergangenheit, Vergangenheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p>Deine wehende Fahne,<br />
häng sie ab,<br />
ich kann sie nicht mehr sehen.</p>
<p>Sie schreit mich an, jeden Tag,<br />
schreit und schlägt mir ins Gesicht.<br />
Häng sie ab, häng sie ab,<br />
ich kann sie nicht mehr sehen.<span id="more-4996"></span></p>
<p>Sie sagt: Ich bin so stolz,<br />
ach, ich bin so stolz auf dieses Land.<br />
Sie sagt: Die Vergangenheit,<br />
Vergangenheit geht mich nichts an.</p>
<p>Deine wehende Fahne,<br />
häng sie ab,<br />
ich kann sie nicht mehr sehen.</p>
<p>Ich frage dich, ob sie mich liebt,<br />
hat sie mich je beansprucht?<br />
Du sagst mir, dass doch du sie liebst,<br />
doch sie gibt nichts zurück.</p>
<p>Deine wehende Fahne<br />
ist wichtiger als jeder Mensch.<br />
Wichtiger als die Geschichte,<br />
wichtiger als aller Zukunft.</p>
<p>Deine wehende Fahne,<br />
häng sie ab,<br />
ich kann sie nicht mehr sehen.</p>
<p>Sie sagt: Ich muss doch stolz sein,<br />
weil ich ja nichts hab.<br />
Sie sagt: Du sollst mich wollen,<br />
ansonsten sollst du gehen.</p>
<p>Deine Fahne schreit mich an -<br />
Deine Fahne schlägt mich -<br />
Deine Fahne hält mich fest -<br />
Deine Fahne peitscht mich aus -</p>
<p>Wenn ich nicht will,<br />
was sie will,<br />
will sie von dir,<br />
dass du mich -</p>
<p>Deine wehende Fahne,<br />
häng sie ab,<br />
sie erschießt mich!</p>
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		<title>Samstagnacht unter Wasser</title>
		<link>http://www.zementblog.de/2011/09/06/samstagnacht-unter-wasser/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 15:14:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Conor Oberst]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Nik Freitas]]></category>

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		<description><![CDATA[Nik Freitas &#8211; „Saturday Night Underwater“ Das neue Album von Nik Freitas möchte man im Café an der Ecke gegenüber oder an einem Sonntagvormittag unter einer warmen Decke hören. Manchmal würde man es am liebsten in den Arm nehmen wie einen Menschen, den man sehr gern hat – manchmal will man sich auch genervt abwenden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p><strong>Nik Freitas &#8211; „Saturday Night Underwater“</strong></p>
<p>Das neue Album von Nik Freitas möchte man im Café an der Ecke gegenüber oder an einem Sonntagvormittag unter einer warmen Decke hören. Manchmal würde man es am liebsten in den Arm nehmen wie einen Menschen, den man sehr gern hat – manchmal will man sich auch genervt abwenden, aber der Moment, in dem man die Musik schätzt, kommt schnell wieder.</p>
<p>„Saturday Night Underwater“ hat eine ganz besondere Geschichte, die es auch so interessant macht. Nik Freitas, Musikerkollege unter anderem von Conor Oberst (Bright Eyes, Mystic Valley Band), hat es in seiner Gartenlaube, seinem privaten Studio, aufgenommen.<span id="more-4961"></span> Dort scheint er sich in aller Ruhe auszuleben, denn wenn eines am Ende hängenbleibt von seinem fünften Album, dann ist es Experimentierfreude. Stellenweise kann man kaum glauben, dass Freitas das größtenteils allein bewerkstelligt hat. An der Stelle wird die handwerkliche, musikalisch dennoch inspirative Herangehensweise des Künstlers deutlich. Die verschiedenen Klänge werden zwar sauber über- und untereinandergelegt, ergeben am Ende aber doch eine eigenständige Komposition.</p>
<p>Die mitunter starke Synthetik kann manchmal durchaus störend wirken, worüber man jedoch wohl kaum stolpert. Das Album beginnt mit einem ruhigen, sommerlichen Song, der sanft in den Ohren nachklingt, ohne aufdringlich zu sein. Überhaupt macht Nik Freitas einen sehr geduldigen, sensiblen Eindruck. Wie ein beständig plätschernder Bach taugt sich seine Musik daher auch weniger zum Tanzen, als vielmehr zur Hintergrundmusik. Hin und wieder wird man ein bisschen wachgerüttelt, so etwa durch die sehr abrupten Gitarrenriffs in „The Light“. Das fällt allerdings nicht negativ auf, zumal sofort ein wohliger Kontrast entsteht, sobald Freitas&#8217; beruhigende Stimme einsetzt.</p>
<p>Das Schöne an „Saturday Night Underwater“ ist, dass man beim Hören sofort herunterfährt, egal, in welcher Situation man gerade war. Ich habe die CD nach dem Sport, auf dem Weg durch die Stadt und beim Arbeiten gehört (es wurde nicht langweilig!) – jedesmal überkam mich eine warme Ruhe. Der Künstler hatte schnell die Stimmung im Griff.<br />
An gewissen Stellen klingen dann doch Einflüsse aus bekannten Richtungen durch; musikalisch bringt das Album kaum Neues mit sich. In „Hold That Thought“ etwa meint man, „The Flaming Lips“ heraushören zu können; an anderer Stelle entdeckt man eine klare „Beatles“-Prägung. Das sind aber alles keine schlechten Quellen der Inspiration. Insgesamt übergibt Freitas uns da eine Pralinenschachtel, deren Inhalt uns mit jedem Bissen leise überrascht und langsam auf der Zunge zergeht. Die Schachtel ist so filigran, so zierlich gefaltet, dass wir sie ganz vorsichtig in die Hände nehmen und öffnen – selbst die Worte, die Freitas so vor sich hinsingt, wirken fast zerbrechlich. Manchmal laufen seine Experimente aus der Gartenlaube zwar ins Leere, meistens aber berühren und gehen sie unter die Haut. Es fehlt nur noch eine heiße Schokolade oder eine Tasse Tee.</p>
<p><small>Nik Freitas: Saturday Night Underwater, Affairs Of The Heart/Indigo, 2011</small></p>
<p><small>Dieser Artikel erschien auch auf der <a title="Wahrschauer - Nik Freitas: Saturday Night Underwater" href="http://wahrschauer.net/component/reviews/?task=view&amp;rid=1376" target="_blank">Website des Magazins &#8220;Wahrschauer&#8221;</a>.</small></p>
<div class="shr-publisher-4961"></div><!-- Start Shareaholic LikeButtonSetBottom Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetBottom Automatic -->]]></content:encoded>
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		<title>Höllentheorie &amp; Hokuspokus</title>
		<link>http://www.zementblog.de/2011/09/04/hollentheorie-und-hokuspokus/</link>
		<comments>http://www.zementblog.de/2011/09/04/hollentheorie-und-hokuspokus/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 19:51:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Witzig]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ein schwüler Freitagabend im verspäteten Sommer, die Woche neigt sich ihrem Ende zu. Die Straßen sind leer, man ist entweder feiern oder sich ausruhen. Wir aber haben uns in intensiver Vorarbeit auf unsere Rollen zur verdeckten Recherche vorbereitet. Wir sind auf dem Weg ins Missionszelt der &#8220;Biblischen Gemeinde&#8221;. Dort wird um 19 Uhr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-4953" style="margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="Zeltmission" src="http://www.zementblog.de/wp-content/uploads/2011/09/zeltmission.jpg" alt="" width="620" height="94" /></p>
<p>Es ist ein schwüler Freitagabend im verspäteten Sommer, die Woche neigt sich ihrem Ende zu. Die Straßen sind leer, man ist entweder feiern oder sich ausruhen. Wir aber haben uns in intensiver Vorarbeit auf unsere Rollen zur verdeckten Recherche vorbereitet. Wir sind auf dem Weg ins Missionszelt der &#8220;Biblischen Gemeinde&#8221;. Dort wird um 19 Uhr ein Abend der Predigt, der Musik und des Gebets stattfinden &#8211; und wir werden dabei sein. Undercover.<span id="more-4922"></span> Gestatten: Kevin und Erik Mauritz. Schon seit längerem verspüren wir eine innere Leere, irgendetwas fehlt uns. Vielleicht Gott?</p>
<p>Je mehr wir uns dem heiligen Zelt nähern, desto mehr nimmt uns ein mulmiges Gefühl ein. Ist das, was wir tun, richtig? Ist Jesus Christus wirklich der Ausweg aus unserer Not? Vielleicht ja, vielleicht nein. Auf all diese Fragen gibt es Antworten. Das ist überraschend. Beim Eintreten in die neue Welt begrüßen uns sofort eine Handvoll friedlich lächelnder Menschen. Alles hier, nicht nur die Stimmung, ist ganz und gar glückselig, sodass wir um die Frage nicht herum kommen, wie hoch wohl der THC-Gehalt der Bibel sein mag.</p>
<p><strong>Kirchenschiff aus Klappstühlen</strong></p>
<p>Das Missionszelt der freien Gläubigen ist ein umfunktioniertes, geweihtes Partyzelt. Drinnen sind ein provisorisches Kirchenschiff aus Klappstühlen sowie ein Podest, mutmaßlich die Kanzel, aufgebaut. Die Hälfte des stumm dasitzenden Publikums besteht aus mitgebrachten Jüngern der Biblischen Gemeinde selbst. Sie alle wirken wie verkleidete Statisten aus einer anderen Zeit: Die Männer tragen Anzüge (wie sich das für Geschäftsleute gehört); die Frauen Blusen und bodenlange Röcke, das Haar straff hochgesteckt. Alle sitzen kerzengerade da. Warten Sie auf ein göttliches Zeichen? Und vor allem: Wird Jesus pünktlich sein?</p>
<p>Einer der beanzugten Männer erhebt sich aus seinem Klappstuhl und betritt das Podest. Nein, das ist nicht Jesus, das merken wir gleich &#8211; der äußeren Erscheinung nach zu urteilen würde man eher den Filialleiter der örtlichen Sparkasse oder einen pensionierten Staubsaugervertreter vermuten. Dieser Herr jedenfalls beginnt seine Rede mit den Worten: &#8220;Früher war ich Atheist.&#8221; Es folgt ein emotionaler Lebenslauf in allen Details. Der Mann, der da vorne steht und in nüchternem, trockenem Tonfall die Geschichte seiner Kindheit und seiner Ehe ausbreitet, war eindeutig ein Atheist, keine Frage, denn: In seiner dunkelsten Phase hat er regelmäßig Witze gerissen, mitunter über den lieben Gott (!), auch hat er Rockmusik gehört und teilweise sogar Alkohol konsumiert! Reumütig gesteht er: &#8220;Auch ich bin ein Sünder.&#8221; Er scheint kurz vor den Tränen zu stehen, mehrmals blickt er nervös seine Frau an, die vor ihm in der ersten Reihe ihren Platz hat. Am seligen Ende, so fährt er fort, habe er sich bekehren lassen und sei ein frommer Gläubiger geworden. Ein erlöstes Seufzen kommt aus der ersten Reihe. Dann füllt bedächtiges Schweigen den Raum. Viele nicken.</p>
<p><strong>Jesus, Jesus, Jesus</strong></p>
<p>Während der gesamten Rede wird in verschiedenen Teilen des Zeltinneren gedolmetscht, sowohl hinter uns (Russisch) als auch neben uns (Englisch). Das, betont der Redner/Prediger/Geschäftsleiter (wir sind uns nicht sicher), unterstreiche &#8220;die Internationalität, Offenheit und Toleranz&#8221; der Veranstaltung. In Bezug auf die kritische Vorberichterstattung der Lokalpresse erntet er zudem besonders viel Nicken im Publikum mit der Bemerkung: &#8220;Wir sind keine Psychosekte und haben es auch nicht auf Ihr Geld abgesehen.&#8221; Das hört sich schön an. Unwillkürlich lächeln wir.</p>
<p>Der nächste Programmpunkt: Singen. Schon am Eingang hatte man uns eine Broschüre mit &#8220;musikalischen Glaubensbekenntnissen&#8221; in die Hand gedrückt. Sie soll jetzt zum Einsatz kommen. Ein professioneller Organist setzt sich ans Keyboard und legt los. Mit glühenden Wangen und leuchtenden, feuchten Augen besingt die gesamte Biblische Gemeinde die Herrlichkeit des Herrn und die Geistlichkeit des Geistes. Wir sind mit vollem Einsatz dabei.</p>
<p><strong>&#8220;Wissenschaft, Theorie &#8211; das ist Hölle!&#8221;</strong></p>
<p>Eine halbe Stunde später fühlen wir uns völlig umnebelt. Wir haben inzwischen gefühlte zwanzig Jesuslieder gesungen und gehört und können nur noch &#8220;Amen&#8221; sagen und nicken. Jesus. Jesus. Jesus. Plötzlich aber klettert der Abend merklich auf seinen programmatischen Hoch- und geistigen Tiefpunkt. Auftritt: Der Guru. Ein Mann, der ein bisschen an Yoda aus &#8220;Star Wars&#8221; erinnert (relativ alt, tiefe Augenringe, hohe Augenbrauen und viele Denkerfalten auf der Stirn), betritt die Kanzel. Mit einem breiten, großväterlichen Grinsen auf den Lippen rezitiert er nun die Bibel. Es geht &#8211; man kennt es &#8211; um irgendeinen armen Menschen (&#8220;Es könnte jeder sein!&#8221;), der von Jesus geheilt wird. Soweit nichts Neues. Der Guru aber belässt es nicht dabei, sondern versucht in ausführlichen Ausschweifungen, diese Geschichte auf moderne Zeiten zu übertragen. Es klappt nicht, also lacht der Guru kurz, holt tief Luft und zum Angriff aus.</p>
<p>&#8220;Gott&#8221;, sagt er (Betonung auf dem O: <em>gooood</em>), &#8220;ist in deinem Herzen! Nicht in deinem Verstand!&#8221; Uns klappen die Kinnladen herunter. Dann müssen wir unwillkürlich lachen. Jemand dreht sich um &#8211; wir verschleiern das Lachen sofort mit den verschiedensten Undercover-Methoden, wahlweise als Husten oder Niesen. Derweil steigert sich der Guru. Seinen demagogischen Höhepunkt erreicht er mit den Worten: &#8220;Wissenschaft, Theorie &#8211; das ist Hölle! Die Theoretiker kommen nicht in den Himmel, denn die Theorie ist ein Werkzeug des Teufels!&#8221; Ein Aufruf zum Blödwerden? Das leuchtet uns ein, denn ein Hirte braucht nunmal Schafe, und Schafe sind üblicherweise nicht die hellsten Tiere.</p>
<p><strong>Apokalypse im Bibelzelt</strong></p>
<p>Während der Guru ganz in seinem Element ein rhetorisches Crescendo vollführt und dabei wild mit den Armen herumfuchtelt, machen sich zwei bibeltreue graue Herren daran, das Zelt an allen bislang noch offen gebliebenen Seiten zu verschließen. Das macht uns Angst, obwohl es in jedem anderen Zusammenhang nicht der Rede wert gewesen wäre. &#8220;Theorie ist Hölle!&#8221;, wettert der Guru wieder. Mit einem Mal peitscht ein unerwarteter Sturm gegen die Zeltplane, sodass das gesamte Zelt erzittert und, bedrohlich bebend, aus der Verankerung zu reißen droht. Die Gemeinde reagiert mit frommer Ignoranz und lauscht weiterhin gebannt dem Guru. Diesem läuft derweil der Schweiß über die faltige Denkerstirn, er lacht wieder und grinst diabolisch. Die Dolmetscher murmeln, der Sturm pfeift, der Guru predigt, die Bibeltreuen schweigen und nicken. Wir befinden uns in einem seltsamen, unangenehmen Zustand zwischen Lachen und Wimmern, Vernunft und Angst. Und dann ist es vorbei.</p>
<p>Wir stehen auf, die Gemeinde verlässt in einem gleichmäßigen, in Trance versetzten Strom das Zelt. Der Guru schüttelt jedem die Hand, grinst und wünscht eine gute Nacht. Auch uns. Sobald wir draußen sind, nehmen wir die Beine in die Hände und laufen durch das apokalyptische Wetter davon. Die höheren Gewalten meinen es heute nicht gut mit uns.</p>
<p><small>Wir danken den Investigativjournalisten F. und J. für die aufwendige Recherchearbeit.</small></p>
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		<title>Zementblog bei Facebook!</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 16:09:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele werden sich gewundert haben, als in der Nacht von Freitag auf Samstag ein schwer beladener Lastwagen bei Facebook hielt und eine Ladung Zement hinterließ. Niemand wusste so recht etwas damit anzufangen, also ließ man die graue Masse links liegen. Inzwischen ist sie angetrocknet und festgetreten. Unbestätigten Berichten zufolge handelt es sich um Aktionskunst &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p>Viele werden sich gewundert haben, als in der Nacht von Freitag auf Samstag ein schwer beladener Lastwagen bei Facebook hielt und <a title="Facebook - Zementblog.de" href="http://www.facebook.com/pages/Zementblogde/187750264626230?ref=ts" target="_blank">eine Ladung Zement</a> hinterließ. Niemand wusste so recht etwas damit anzufangen, also ließ man die graue Masse links liegen. Inzwischen ist sie angetrocknet und festgetreten. Unbestätigten Berichten zufolge handelt es sich um Aktionskunst &#8211; ist es Ai Weiweis nächster großer Coup? Ein neues Mauerdenkmal? Oder waren es voreilige Anonymous-Hacker? Andere Quellen spekulieren über einen gescheiterten Anschlag. Fakt ist: Ein Zementblock hat sich gebildet; er ist nun fest im Sozialen Netzwerk verankert und steht vor allem im Weg.<span id="more-4916"></span></p>
<p>Ja, liebe Leser, es ist wahr: Ihr könnt das Zementblog jetzt auch <em>liken</em> (siehe Seitenleiste oben). Das mag überraschend sein, zumal Zementblog.de nun nicht unbedingt für positive Berichterstattung gegenüber Sozialen Netzwerken bekannt ist (<a title="Artikel mit dem Stichwort &quot;Facebook&quot;" href="http://www.zementblog.de/?s=facebook">Stichwort &#8220;Facebook&#8221;</a>). Doch das soll nicht heißen, dass sich das ändert &#8211; ihr werdet hier selbstverständlich weiterhin Kritik an jenem Großkonzern finden, das versichere ich euch. Warum habe ich das dann getan? Zwei Gründe: Erstens sehe ich mich dazu genötigt, das Zementblog aus strategischen Überlegungen heraus auch über seine eigenen Grenzen hinaus zu verbreiten. Zweitens könnte ich einen ganzen Batzen an negativen Aspekten von Facebook aufzählen &#8211; übrig bleibt aber die Tatsache, dass es nunmal zu einem Mehrheitsmedium mutiert und darum auch unter politischen Gesichtspunkten (kritisch!) daran anzuknüpfen ist.</p>
<p>Soweit die Meldungen.</p>
<hr />
<p><small>Hier geht&#8217;s zur <a title="Facebook - Zementblog.de" href="http://www.facebook.com/pages/Zementblogde/187750264626230" target="_blank">Facebook-Seite vom Zementblog »</a></small></p>
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		<title>Kundenorientierter Arbeitskampf</title>
		<link>http://www.zementblog.de/2011/08/09/kundenorientierter-arbeitskampf/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Aug 2011 11:41:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrepublik]]></category>
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		<category><![CDATA[Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!&#8221; Die Aktualität dieses pessimistischen Ausdrucks, der Lenin zugeschrieben wird, erweist sich derzeit einmal mehr: Ehe Deutsche nämlich einen Flughafen lahmlegen, denken sie an den Sommerurlaub auf Mallorca. Wenn sich dann auch noch, wie in diesem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><div class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.flickr.com/photos/mkorsakov/829728869/" target="_blank"><img class="   " title="Streik" src="http://farm2.static.flickr.com/1207/829728869_f2ce369b6a_m.jpg" alt="Streik" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Bei Malle hört der Spaß auf!</p></div>
<p>&#8220;Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!&#8221; Die Aktualität dieses pessimistischen Ausdrucks, der Lenin zugeschrieben wird, erweist sich derzeit einmal mehr: Ehe Deutsche nämlich einen Flughafen lahmlegen, denken sie an den Sommerurlaub auf Mallorca. Wenn sich dann auch noch, wie in diesem Fall, das Frankfurter Arbeitsgericht einmischt, werden die Fluglotsen plötzlich <a title="Süddeutsche Zeitung - Streik der Fluglotsen abgesagt" href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streik-der-fluglotsen-abgesagt-flugverkehr-laeuft-problemlos-an-1.1127921" target="_blank">mucksmäuschenstill</a>.<span id="more-4873"></span></p>
<p>Zunächst hat die Gewerkschaft die &#8220;rechtswidrigen Forderungen&#8221; zurückgezogen. Es folgten neuerliche Beratungen und die Überlegung, heute zu streiken. Auch das fand jedoch keine Umsetzung &#8211; stattdessen verlässt man sich nun auf ein Schlichtungsverfahren mit der Deutschen Flugsicherung (DFS). &#8220;Das große Chaos auf deutschen und europäischen Flughäfen&#8221; sei damit &#8220;in letzter Minute abgewendet&#8221; worden, so <a title="Berliner Morgenpost - Streik gestoppt" href="http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article1726884/Streik-gestoppt-Berlins-Flugverkehr-wieder-normal.html" target="_blank">Berliner Morgenpost</a> und <a title="FR online - Streik abgewendet" href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/streik-abgewendet/-/1472780/8772568/-/" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> im Kanon.</p>
<p>Ich fasse noch einmal zusammen: Die Fluglotsen finden Arbeitsbedingungen und Gehalt scheiße (über letzteres lässt sich sicher streiten). Sie wollen streiken, lassen sich aber ohne weiteres zurückpfeifen. So oder so ist der Arbeitskampf aber eine legitime Praxis, um die Interessen der Arbeiter klar zu formulieren und deutlich zu machen. Was bleibt? Ein Beschwichtigungsverfahren erster Sahne, bei dem wohl kaum mehr als 10 Prozent der Forderungen durchgesetzt werden dürften; wenn überhaupt. Das Resultat wird ein besänftigender Kompromiss sein. Ist das die Zukunft? Tragen wir den Streik als Protestform zu Grabe? Was soll das?</p>
<p><strong>Deutsches Phänomen?</strong></p>
<p>Der Fachmann und Kenner wird die alte Weisheit auspacken, das sei beispielsweise in Frankreich ganz anders &#8211; dort sei etwa auch die Hemmschwelle zum gewaltsamen Streik oder zur Entführung des Vorgesetzten niedriger. Doch ist fehlender Schwung und erleichterte Ausbremsbarkeit außerparlamentarischer Forderungen tatsächlich ein deutsches Phänomen?</p>
<p><a title="RP online - Zwei Streiks, zwei Welten" href="http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Zwei-Streiks-zwei-Welten_aid_502036.html" target="_blank">RP online</a> beschreibt den Unterschied zwischen deutscher und französischer Streikkultur als den zwischen &#8220;zwei Welten&#8221;: Während es im revolutionengeprägten Nachbarland &#8220;anarchistische Proteste&#8221; gebe, habe man es bei uns mit &#8220;zeitgenaue[n] Ankündigungen&#8221; zu tun.</p>
<p>Es gibt jedoch auch Studien, die belegen, dass der Unterschied gar nicht so groß ist, wie wir ihn wahrnehmen &#8211; so etwa eine Analyse des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), in der die &#8220;Mär von der französischen Besonderheit&#8221; statistisch entkräftet wird (<a title="DGAP Analyse - Frankreich; Giraud 2010" href="http://www.dgap.org/wp-content/uploads/2010/11/2010-05_DGAPana_F_Giraud_www.pdf" target="_blank">Giraud 2010</a>). Zusammenfassen heißt es darin, dass &#8220;die Streikbereitschaft in Frankreich [...] lediglich im unteren Drittel des europäischen Durchschnitts&#8221; liege. Streiks seien &#8220;in Frankreich zwar häufiger, doch von deutlich geringerem Ausmaß als beispielsweise in den nordeuropäischen Ländern&#8221;. Statistisch belegt der Autor, dass Länder wie Spanien, Italien, Österreich oder Norwegen europäische Vorreiter in Sachen Streikbereitschaft sind.</p>
<p>Den französischen Streiks wird offenbar unabhängig von ihrem Volumen ein hoher medialer Stellenwert zugerechnet. Ihre historische Rolle hat dabei mehr Gewicht als empirische Fakten, sodass ein durchaus verzerrtes Bild von der Realität entsteht. So kam die österreichische Zeitung <a title="Der Standard - Zuerst wird gestreikt, dann vielleicht diskutiert" href="http://derstandard.at/1285200667748/Streikkultur-Zuerst-wird-gestreikt-dann-vielleicht-diskutiert" target="_blank">Der Standard</a> angesichts der massenhaften Streiks im letzten Jahr gegen Sarkozys Rentenreform zu dem Urteil, man könne &#8220;im internationalen Vergleich&#8221; trotzdem &#8220;nicht von einer Streiknation sprechen&#8221;.</p>
<p><strong>Welche Auswirkungen hat der Urlauber auf Streiks?</strong></p>
<p>Angesichts der Tatsache, dass Deutschland auf genannter Statistik weiterhin ganze neun Plätze hinter Frankreich liegt und damit für Europa den drittletzten Platz belegt (es folgen mit geringem Abstand Litauen und Polen), liegt also durchaus immerhin eine deutsche &#8220;Besonderheit&#8221; vor. Ganz besonders deutsch ist vor allem aber auch die Wahrnehmung des Streiks in der Öffentlichkeit. Wenn sich die Fluglotsen derart beschwichtigen und vom Streik abhalten lassen, dann hat das sicher etwas zu bedeuten. So ein Stillstand auf dem Flughafen ist natürlich kostspielig &#8211; vor allem aber unbequem für die Horde Pauschaltouristen, die täglich tsunamiartig über selbigen herfällt. Ein Artikel der <a title="FR online - Welche Auswirkungen hat der Streik auf Urlauber?" href="http://www.fr-online.de/reise/welche-auswirkungen-hat-der-streik-auf-urlauber-/-/1472792/8612072/-/index.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> über die diesbezügliche Situation in Griechenland ist, sehr symbolisch und charakteristisch, mit der Frage überschrieben: &#8220;Welche Auswirkungen hat der Streik auf Urlauber?&#8221;</p>
<p align="right"><small>Foto: (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank">cc by-nc-sa</a>) <a title="Flickr - mkorsakov" href="http://www.flickr.com/people/mkorsakov/" target="_blank">mkorsakov</a> / Flickr.</small></p>
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		<title>Von wegen Norwegen</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 17:20:39 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><div class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.flickr.com/photos/rodtnytt/5975429977/" target="_blank"><img class=" " title="Norwegen 2011" src="http://farm7.static.flickr.com/6136/5975429977_a3acb8a384_m.jpg" alt="Norwegen 2011" width="240" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">Trauer aus Liebe, Liebe gegen Hass. Foto: Rødt nytt / Flickr.</p></div>
<p>Breivik hat gar keinen Bart! Und extremistisch sieht er auch nicht aus! Der <a title="Stern online - Die Psychologie des Bösen" href="http://www.stern.de/wissen/mensch/attentaeter-anders-behring-breivik-die-psychologie-des-boesen-1709835.html" target="_blank">Stern</a> zeigt sich empört darüber, dass der Täter so &#8220;erschreckend normal&#8221; aussehe, tut dies denn auch gleich als &#8220;gezielt inszeniert&#8221; ab. Blond, blauäugig &#8211; es hätte jeder andere gewesen sein können. Kommt Anders Behring Breivik etwa aus der Mitte und war am Ende doch nicht, wie <a title="Zeit online - Verteidiger hält Breivik für geisteskrank" href="http://www.zeit.de/gesellschaft/2011-07/Breivik-Attentat-Lippestad" target="_blank">sein Anwalt</a> urteilte, &#8220;geisteskrank&#8221;, sondern ganz normal?</p>
<p>In den ersten panischen Stunden nach den tragischen Vorkommnissen bewiesen diverse Terror-Experten im TV aufs neue ihre Unbrauchbarkeit und schlossen: Hinter diesem Attentat können nur Islamisten stecken. Wie groß muss wohl die Enttäuschung gewesen sein, als plötzlich die Lebensgeschichte eines christlich-fundamentalistischen Rechtspopulisten aufgeblättert wurde?<span id="more-4826"></span> Einer, der nie negativ aufgefallen war, nicht einmal den Nachbarn &#8211; ein Muttersöhnchen, meistens freundlich, von keiner Menschenseele als das wahrgenommen, was er hiesigen Medien zufolge doch sei: &#8220;Nicht rechts, nicht links, nur böse&#8221; (<a title="FAZ online - Breivik: Nicht rechts, nicht links, nur böse" href="http://www.faz.net/artikel/C32742/anders-breivik-nicht-rechts-nicht-links-nur-boese-30474339.html" target="_blank">FAZ online</a>).</p>
<p>Einem 1500-seitigen Manifest zufolge, welches Breivik im Internet publiziert hatte, sah sich der Attentäter als Krieger im &#8220;Kampf gegen den Islam und den Marxismus&#8221; &#8211; nicht rechts? Die Bombenexplosion in Oslo wie die anschließende exzessive Exekution von 69 jugendlichen Teilnehmern eines norwegischen Jungsozialisten-Ferienlagers auf der Insel Utøya &#8211; erscheinen sie nicht als Perversion einer konsequenten Weiterführung desjenigen Gedankenguts, das auch hierzulande breite Zustimmung erhält?</p>
<p><strong>Neue Qualität rechter Ideen</strong></p>
<p>Hektisch wird der Durchschnittsdeutsche nun seine Sarrazinlektüre entsorgen und die Website &#8220;Politically Incorrect&#8221; aus seiner Favoritenliste löschen. Der Gedanke aber bleibt &#8211; während noch das Projekt &#8220;europäische Integration&#8221; hochgehalten wird, hat sich längst eine neue Qualität rechter Ideen etabliert. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Menschen wie Wilders, Le Pen, Orbán oder eben Sarrazin etwas zu sagen haben &#8211; das sollte zumindest nachdenklich stimmen.</p>
<p>Fatal wäre jedoch, daraus zu schließen, was deutschen Politikern zur Zeit wieder sehr locker über die Lippen geht: Man brauche &#8220;mehr Wachsamkeit im Netz&#8221; (<a title="FAZ online - Wachsamkeit im Netz" href="http://www.faz.net/artikel/C30089/nach-dem-attentat-wachsamkeit-im-netz-30473031.html" target="_blank">FAZ online</a>) &#8211; diverse Maßnahmen gegen das Wahnsinns-WWW sind in der Debatte. So schlägt die Gewerkschaft der Polizei eine schwarze Liste vor, der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert einen &#8220;Alarmknopf&#8221;, die CSU holt noch einmal die Vorratsdatenspeicherung aus der Reserve (<a title="Spiegel online - Die Denkfehler der Scharfmacher" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,776872,00.html" target="_blank">Spiegel online</a>). Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hätte es gern, dass man der Polizei &#8220;mehr Geld&#8221; zur Verfügung stelle, sodass diese das Internet schärfer kontrollieren könnten (<a title="Reuters - Gabriel fordert schärfere Kontrolle des Internets durch Polizei" href="http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE76U01W20110731" target="_blank">Reuters</a>). Dass man das Internet im Prinzip ganz und gar abschalten müsste, wenn man den dortigen, häufig vorherrschenden Rechtspopulismus effektiv bekämpfen wollte, leuchtet den eifrigen Strategen der höheren Politik nicht ein.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.flickr.com/photos/inemisim/5979903964/"><img title="Norwegen 2011 (2)" src="http://farm7.static.flickr.com/6131/5979903964_1aec23f037_m.jpg" alt="Norwegen 2011" width="240" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Fassungslose Blicke und Blumen. Foto: Simen Løvgren / Flickr.</p></div>
<p><strong>Extremismus gegen Extremismus?</strong></p>
<p>Die westliche Wertegemeinschaft hat noch mehr zu bieten. Man schaue sich nur einmal an, wie bei Facebook auf die Tragödie reagiert wird: Spontan werden Gruppen für die &#8220;Todesstrafe für Anders Behring Breivik&#8221; gegründet &#8211; dort heißt es unter anderem, &#8220;dieser Mensch&#8221; habe &#8220;kein Recht auf Leben&#8221;. Es werde &#8220;Zeit das [sic!] die Todesstrafe für Kindermörder/-schänder [...] wieder eingeführt wird&#8221;, die deutsche Jurisdiktion sei noch &#8220;viel zu human!&#8221; &#8211; andere wiederum stellen detailliertere Überlegungen zum Umgang mit Breivik an: &#8220;Killing him would be too easy. He must be taken to a point where he begs people to kill him, maybe blind, with no hands and feet, and rusty iron pieces in all his rotten body.&#8221; Auch werden ökonomische Aspekte berücksichtigt, so wird die Frage aufgeworfen: &#8220;Why we should pay in taxes to keep such a monster alive?&#8221; Es ist inzwischen bereits der elektrische Stuhl im Gespräch.</p>
<p>Insgesamt wird hier mit Rechtspopulismus auf Rechtspopulismus reagiert, der Antiextremist ist am Ende selbst der Extremist. So ist es wohl auch am bequemsten. Schnell kristallisiert sich allerdings der Schwachsinn der Extremismustheorie überhaupt heraus, denn faktisch liegen die Probleme des Absoluten, Totalitären nicht am Rande unserer Gesellschaft. Sie blühen und gedeihen zwischen uns, wir alle sind für derlei ideologische Auswüchse mitverantwortlich. Wir formen den Diskurs.</p>
<p>Einen Schuldigen ausfindig machen zu wollen ist also ein hoffnungsloses Gerenne gegen die Wand. Wir müssen stattdessen aktiv einen <em>Gegendiskurs</em> bilden, der imstande ist, die Definitionen &#8220;unserer&#8221; Werte auf ein menschliches Minimum zurückzuführen und aus historischen Entwicklungen Schlüsse zu ziehen, statt sie wie trocken Brot zu zerkauen. Wir müssen faschistoiden Tendenzen dezidiert entgegentreten, statt uns nur immer wieder von ihnen auszuschließen und am Ende selbst davon behaftet zu sein.</p>
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