Was ist Menschlichkeit?

Christopher von Hugelgupf veröffentlichte Ende letzten Monats ein Video über Menschlichkeit. Darin wird gezeigt, wie stark „unmenschliches Verhalten“ in unserer Gesellschaft überwiegt (damit sind vordergründig die vielen Kriege und all die Minderheitenschwierigkeiten gemeint). Meiner Meinung nach wird dabei die Flexibilität des Begriffs „Menschlichkeit“ außer Acht gelassen. Menschen sind wir alle, daraus muss doch resultieren, dass die sogenannte „Menschlichkeit“ durch unser Handeln definiert wird und ein Mensch somit nicht unmenschlich sein kann.

Sicher assoziiert im Grunde jeder etwas wie „asozial“, „intolerant“ oder „frei von menschlichen Charakterzügen“ mit dem Wort „unmenschlich“. Aber Menschlichkeit – was soll das denn nun eigentlich sein? Das, was man umgangssprachlich darunter versteht – oder das, was es wörtlich „sagt“?

Ich für meinen Teil denke, Letzteres trifft zu, auch, wenn das möglicherweise auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheint. Aber man sollte dennoch vorsichtig bleiben – ist man das nicht, so könnte man meinen, selbst Hitler wäre faktisch menschlich gewesen. Im Sinne des alltäglichen Sprachgebrauchs war er das selbstverständlich nicht.

Worauf muss man „menschlich“ nun also beziehen – auf das Stofflich-Substanzielle oder auf das Handlungsbezogen-Variable?

Vielleicht ist dieser mehrdeutige Begriff auch insofern variabel, als dass man ihn sowohl (negiert) auf Arschlöcher unserer Geschichte als auch auf den Menschen in jeder Lage verwenden kann (Stichwort „Teekesselchen“).

Ist das überhaupt relevant? – Obwohl es mir gewissermaßen lästig wird, jeden zweiten Satz mit einem Fragezeichen abzuschließen, macht unsere Gesellschaft dies offenbar notwendig.

Krieg, Verbrechen, Obdachlosigkeit – unmenschlich? Das sagt ja: Das Gegenteil (der positive Wert) ist die Menschlichkeit. So macht sich ein Idealbild des Menschen, wie er „gehört“, breit. Aber gewisse Menschengruppen, die nach jeweiliger Ansicht „falsch handeln“, als unmenschlich zu bezeichnen, funktioniert nicht. Sie handeln möglicherweise unmoralisch, aber sie bleiben Menschen – die „Unmenschlichkeit“ in dem Fall ist ein Paradoxon.

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9 Kommentare

  1. April 24

    Die stofflich-substanzielle Definition von Menschlichkeit würde bedeuten, dass jeder Mensch menschlich ist. Das impliziert zwar im Grunde schon der Begriff „menschlich“ an sich, aber es würde ihn sinnlos machen.

    Wir sind somit von der handlungsbezogenen Definition ausgegangen, von der „sozialen“ Definition. Was aber wohl eher daran lag, dass der Wettbewerb mit „Mehr Miteinander. Mehr Menschlichkeit. Auf Dich kommt’s an!“ betitelt war. Wir haben dabei den Schwerpunkt auf die Menschlichkeit gelegt – was vielleicht nicht so gut war, denn eigentlich scheint es in dem Wettbewerb eher um die kleinen Dinge gegangen zu sein („Auf Dich kommt’s an!“).

    Es gibt keine Menschengruppen, die falsch handeln. Es gibt aber Menschengruppen, die unmoralisch – wie Du schon geschrieben hast – oder irrational handeln, um ihre Ziele durchzusetzen. Wobei es sich doch schon oft um rationale Entscheidungen handelt, immerhin kommen die Terrorgruppen ihrem Ziel so auch näher (siehe Pakistan).

  2. April 26

    Dass es keine falsch handelnden Menschengruppen gibt, ist wohl sehr richtig. Dabei muss man sich, um dem Massengedanken eine Erklärung zu liefern, die sehr grundlegende Frage stellen: Was ist eigentlich und überhaupt Falschheit, und was Richtigkeit?

  3. Mai 3

    Würde unsere Politik so gründlich diskutieren, wäre Deutschland heute nicht so, wie es ist – sondern besser. (Nur ums mal so zu bemerken.)

    Die Frage hast Du auch fast schon im Artikel beantwortet – „…nach jeweiliger Ansicht ‚falsch handeln'“. Es kommt immer darauf an, wie man die Sache sieht – was „richtig“ und „falsch“ aber subjektiv machen würde. Das wiederum passt aber auch nicht, denn „falsch“ und „richtig“ können per Definition eigentlich nur Fakten bzw. objektive Dinge sein.

    Subjektives kann also nicht falsch oder richtig sein; es ist eben subjektiv, eine Meinung – nur Objektives (-> Fakten und Daten) kann richtig oder falsch sein; und somit auch Fakten und Daten, die zu einer subjektiven Ansicht bzw. Meinung geführt haben. Damit kann die Meinung als unmoralisch oder unlogisch/irrational/unvernünftig angesehen werden.

  4. Mai 4

    Ja, Deutschland wäre sicher ohne besser. Aber es wird vom Kapitalisten in Schach gehalten, welcher als Egoist erzogen wurde.

    Es ist schon eine sehr schwierige Frage – was ist nun, und aus welchem Standpunkt kann man überhaupt sagen, dass es ist? Sicher: Jeder kann von sich die vollkommene Wahrheit behaupten…

  5. Mai 4

    Oha, Politik. Mein Lieblingsthema. Wären die Sozialisten/Kommunisten/… denn besser als die Kapitalisten? Nein. Die Linken z.B. wollen fast ausnahmslos jeden Ausländer reinlassen – wegen Integration und Multikulti „und so“. Wenn wir aber alle armen Menschen hier reinlassen, dann „verarmen“ wir selber, das hilft der Armut nicht wirklich weiter – nein, es verschlechtert höchstens noch die Wirtschaft, die wiederum „produziert“ das Geld ja eigentlich – und irgendwo muss es ja nun herkommen. Wir können es ja nicht scheißen. Klar, man muss es schaffen, die ärmeren Länder der Welt hinter sich herzuziehen, das ist nur gerecht – aber man muss erstmal die Mittel dafür haben.

    Ja, die Definition ist auch wieder vom Standpunkt abhängig. Ich wollte sie eigentlich so logisch-objektiv wie möglich machen.

  6. Mai 5

    Kommunismus, oder seine „Vorstufe“, der Sozialismus, hat sich, wie ich finde, auf ein gleiches Volk konzentriert – da liegt der Fokus doch nicht darauf, alle Ausländer „hereinzulassen“.

    Allerdings: Lässt man nicht jeden hinein, nach welchen Kriterien will man dann verfahren, wer nach Deutschland darf und wer nicht? Will man außerdem als Arschloch dastehen, wenn man dem Armenvolk den Zutritt verwehrt? Will man nicht „sozial“ sein, wie so schön heißt, und gütig dem Nächsten gegenüber (der christlichen Devise Deutschlands nach)?

    Wenn man Zutritt für Immigranten nur teilweise zulassen will, wird man auf eine Selektion a la System Deutschland zurückgreifen müssen, und das ist meiner Meinung nach die falsche Lösung. Wir können auch die Terrorismuspotenz nicht als Argument einsetzen, denn das ist paranoid – schließlich hören wir auch nicht damit auf, Hochhäuser zu bauen, obwohl sie (rein theoretisch) zusammenstürzen könnten. Da kommt wieder dieser Schäuble-Wahn ins Spiel…

    Eine vorerst bessere Lösung ist es tatsächlich, jedermann ins Land kommen zu lassen. Selektion ist eine Gefahr. Diese Art der Gefahr kann – so extrem das jetzt auch klingen mag – in den Faschismus abgleiten (entschuldige den starken Ausdruck, aber ist es nicht so?); getreu dem Motto „Arme raus!“ oder „Das Boot ist voll – aber nur gegenüber potentiellen Terroristen!“. Deutschland ist kein Boot, welches voll werden könnte. Grenzen sind eine Erfindung des Menschen, um sich abzutrennen von Anderem. Aber ist das nicht gewissermaßen unmenschlich?

    Welche Angst gilt es denn bei all diesem zu hegen? Andere Nationen werden nicht komplett in die BRD umziehen, also kann dieses „Boot“ doch auch nicht voll werden!

  7. Mai 6

    Moment. Ich habe nichts gegen Ausländer. Rein gar nichts. Deutschland kann auch nicht voll werden. Hier passen jede Menge Menschen rein.

    Ich habe nur etwas gegen Leute, die sagen „Deutschland ist scheiße“ – „Deutsche sind alle Nazis“ – „Deutsche Arschlöcher“. Solche Menschen würde ich – tut mir Leid – am Liebsten direkt wieder rauswerfen.

    Terrorismus ist kein Argument, da stimme ich dir zu. Die bessere Lösung ist trotzdem Selektion – wir lassen nur die rein, die wirklich überzeugt sind, die wirklich _wollen_ und nicht nur „kostenlos“ Geld scheffeln wollen. Menschen, die wirklich arbeiten wollen, die sich wirklich bilden wollen, die Deutschland wirklich „bereichern“ würden.
    Menschen, die sich wirklich integrieren wollen, die sich nicht zurückziehen in eigene Gemeinden; Menschen, die sich auch mit unserer Kultur beschäftigen, die sich auch mal Gedanken machen; Menschen, die daran interessiert sind, sich in unsere Gesellschaft einzugliedern.

    Wie man das messen will? Bildung. Das sollte man aber im Verhältnis sehen – was ist im Herkunftsland möglich gewesen?

  8. Mai 6

    Nochmal zum Thema Kommunismus/Sozialismus.

    Die Idee – Gleichheit, alle sind gleich, alles gehört allen, Honecker über alles (Moment, das gehört da nicht rein) – mag ja ganz gut sein. Nein, sogar sehr gut.

    Aber: Es ist gegen die Natur des Menschen. Der Mensch sucht Wettbewerb, der Mensch sucht Herausforderungen. Der Mensch will individuell sein. Mit Planwirtschaft und Gleichheit unterdrückt man diese Triebe des Menschen, man unterdrückt den Wettbewerb und die Individualität.
    Die Forschung wäre nur noch minimal, die „Wirtschaft“ hat keinen Bedarf mehr an neuen Technologien, wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt. Diese Konsequenzen könnte man jetzt noch zig-fach ausformulieren.
    Kurz gesagt: Es ist langweilig!

    Ganz genau. Langweilig.

    Was aus der Planwirtschaft resultiert, haben wir ja in der DDR gesehen. Guten Morgen.

    Wirtschaftliche Regulierung: Glaubst Du ehrlich, dass der Staat der bessere Manager ist – oder die besseren Manager hat? Es sind genauso Menschen wie die anderen Manager auch.

  9. Mai 7

    Des Menschen Natur wird doch immer gänzlicher von seinem Wirtschaftssystem, dem imperialistischen Kapitalismus also, bestimmt. Wir, die wir darin geboren wurden, kennen es nur so – wir können nur darauf aufbauen, es nicht aber durch ein anderes System ersetzen; geschweige denn, uns vorstellen, dass dies überhaupt möglich wäre.

    Es wäre sicher nicht langweilig, in einem theoretisch sehr funktionstüchtigen System zu leben, das jeden gleichstellt. Jedes kommunistische Experiment ist gescheitert – doch glaube ich nicht, dass jedes folgende ebenso zum Scheitern verurteilt sein wird.

    Der Mensch braucht eine Utopie, um einen politischen Fortschritt zu machen. Die Utopie des Sozialismus oder die des Kommunismus ist nicht unrealistisch, sondern umsetzbar. Nur muss man aus den bisher gemachten Fehlern lernen, sich genau ansehen: Woran ist die DDR gescheitert? Woran die Sowjetunion? Woran Kuba inzwischen auch? Das anders zu machen, mag schwer sein. Aber es wird möglich sein und eine Lösung auch für die Umsetzung liefern.

    Zurück zum Aspekt der Menschlichkeit: Richtig und falsch (oder: menschlich und unmenschlich) sind meiner Meinung nach von der gesellschaftspolitischen Systematik innerhalb einer Region bestimmt. Die Definition hängt somit also von der Gesamtheit ab, die den Begriff verwendet (und nicht vom Einzelnen, der es immer anders als sein Nächster sehen wird).

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