Blogview 16

In meiner neunten „Blogview“ schrieb ich, ich sei inzwischen zum Duzen übergegangen. Und plötzlich wurde ich von Mario in einem Kommentar zu meiner Blogparade zum Thema „Blognamen“ darauf aufmerksam gemacht, dass ich immer noch „Sie“ schreibe. Und: warum eigentlich?

Ich finde, dass man in der Öffentlichkeit ernstnehmbar und seriös auftreten sollte. Dazu ist es wichtig, stets höflich und respektvoll mit anderen Menschen umzugehen – insbesondere mit fremden Menschen. In der Zeitung werden die Leser zumeist gesiezt, ebenso im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Sicher, man hat es beim Zementblog nicht mit einer Zeitung oder einem Fernseh- oder Radiosender zu tun. Dennoch habe ich bei meinem Einstieg in die „Blogosphäre“ versucht, durch eine höfliche und distanzierte Ansprache des Lesers ernst genommen werden zu können. Doch das nettere „Du“ hat in der Welt der Blogs seine festere Tradition. Es stellt den Leser auf eine Ebene mit dem Verfasser, so, wie es im modernen Zeitalter üblich ist. So, wie Ikea es macht, so, wie man es unter Freunden macht. Ehrlich gesagt halte ich das für ein Medienmittel, das mittlerweile in die Gesellschaft übergegangen ist – ohne, dass jemand es gemerkt hat.

Man mag das für übertrieben halten – oder für eingebildet. Aber was ist das „Du“ gegenüber dem Fremden sonst, als der Versuch, selbigen näherzubringen und ihn wie einen langjährigen Freund zu behandeln? Was ist das, wenn nicht Einnebeln des Geistes, um zum Kaufen zu motivieren? Was ist das, wenn keine kapitalistische Werbestrategie?

Sicherlich ist das in Blogs auf ganz andere Weisen zu betrachten, es steht schließlich in einem völlig anderen Kontext. Aber ich denke, es ist dem, wie man es aus dem medialen Umfeld kennt und vielleicht sogar schätzt, entnommen. Um jemandem auf die kumpelhafte Art zu kommen und ihn einzuspannen.

Aber wir Netzschreiber wollen doch gar nichts verkaufen, oder?

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15 Kommentare

  1. August 1

    Doch, wir Netzschreiber wollen unsere Beiträge „verkaufen“ im Sinne von „Leser und Kommentatoren finden“. Und wenn 99% (wenn nicht noch mehr) Blogger ihre Leser duzen, dann wird das Siezen als künstliche Wand verstanden. Im realen Leben (klingt doof, ist aber so) achte ich sehr darauf und kann grantig werden, wenn man mich als Kunde nicht siezt. Aber in der Blogosphäre wird überall geduzt (besonders bei privaten Blogs) und da ist es erstens nicht unhöflich, wenn man das auch macht und zweitens ganz einfach die Norm.

  2. August 1

    Schön, dass auf Anhieb eine kritische Stimme laut wird – das hatte ich bereits erwartet.

    Ich bezog das Verkaufen vielmehr darauf, dass wir keine Menschen sind, die Geld machen wollen und Werbung machen. Aber jetzt, wo du es benennst, wird mir klar: Doch, im Grunde sind es wir sehr wohl, tatsächlich. Wir fertigen ein Produkt an und wollen es – wenn auch nicht für Geld – jemandem präsentieren. Um „entdeckt“ zu werden, tragen wir uns in Verzeichnisse ein, kommentieren fleißig, um bemerkt zu werden und so weiter (die Fachleute meinen, das „SEO“ nennen zu müssen).

    Doch genau da stellt sich mir die Frage: Kann das nicht auch anders laufen? Können wir nicht einfach Dinge austauschen, ohne möglicherweise einen Markt und damit eine Konkurrenz entstehen zu lassen? Da wirst du sicher meinen: Dann müssen wir auch gesellig sein und uns duzen. Wie du sicher bemerkst, duze ich dich jetzt auch. Und ich muss sagen: Ich gewöhne mir immer merklicher an, meine Artikel im Allgemeinen, also an viele Fremde gewandt, mit der Sie-Anrede und meine Kommentare im Persönlichen, also an einen spezifischen Leser gerichtet, mit der Du-Anrede zu verfassen.

  3. August 2

    Hm, im Artikel siezen und in den Kommentaren duzen ist eine interessante Möglichkeit. Ich fände das auch nicht seltsam, weil der Artikel ja von sehr viel mehr Leuten gelesen wird und der Kommentator schon den ersten Schritt der „Kontaktaufnahme“ gemacht hat. Und regelmäßige Kommentatoren „kennt“ man irgendwann auch im Sinne davon, dass man die Meinung und den Geschmack einschätzen kann.

    Noch was zum SEO-Aspekt: das muss man gar nicht so ins Extreme führen (ich finde, SEO hat immer einen negativen Beigeschmack, weil es nach Ausreizen der Möglichkeiten, verpönten Methoden und Pushen über den Selbstzweck hinaus hat). Ein Blogger, der all das nicht macht, möchte doch auch, dass seine Texte gelesen und kommentiert werden. Und da kommt das Duzen/Siezen wieder ins Spiel, denn so ein Blogger versucht rein über den Artikel zu verkaufen.

  4. August 2

    Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass das Siezen im Artikel und das darauf folgende, persönlichere Duzen im Kommentar vollkommen legitim und akzeptabel ist – vielleicht dem Einen oder Anderen etwas befremdlich, dennoch aber nicht unangebracht.

    Auch für mich hat SEO diesen „negativen Beigeschmack“, wie du es ausdrückst. Trotzdem würde ich das Veröffentlichen von Artikeln in einem Blog, um dem Leser Information, Unterhaltung oder Anderes zu bieten, nicht als Verkaufen von Lesestoff bezeichnen. Der Verfasser macht nämlich keinen Gewinn, einen materiellen natürlich schon gar nicht, aber auch keinen intellektuellen, es sei denn, er will seinen narzisstisch anmutenden Egoismus höher treiben, wenn vorhanden (wovon ich nicht ausgehe).

    Ich mache mir Gedanken darüber, wie es dem Leser angenehmer sein könnte, meine Artikel zu lesen (also auch über die richtige Anrede), ja, aber nicht, weil ich den potentiellen Leser zum Weiterlesen und möglicherweise RSS-Abonnement verführen will. Ich möchte bloß eine komfortablere Möglichkeit schaffen – es geht mir nicht um den metaphorischen „Verkauf“ meiner Texte.

  5. August 3

    admin schrieb:

    Ich finde, dass man in der Öffentlichkeit ernstnehmbar und seriös auftreten sollte. Dazu ist es wichtig, stets höflich und respektvoll mit anderen Menschen umzugehen – insbesondere mit fremden Menschen.

    Und das erreicht man doch nicht mit einer Anrede? Oder, der Umkehrschluss ganz provokant: Wenn ich sieze, kann ich den größten Blödsinn schreiben und bin dann doch seriös und werde Ernst genommen?

    Das Problem des Duzens liegt wohl vor Allem darin, dass damit oft Respektlosigkeit und mangelnde Seriosität einhergeht. Man überlegt sich die Worte und Gestik im echten Leben oft mehr, wenn man jemandem gegenübersteht, den man, aus welchem Grund auch immer, siezt.

    Beim Duzen den gleichen Respekt und Ernsthaftigkeit wie beim Siezen zu erbringen, erscheint uns oft schwierig, wenn nicht sogar gestellt. Das ist tief in unserer Sprachkultur verwurzelt.

    Ich denke, genau da liegt die Lösung. Nur kann das nicht in kurzer Zeit aufgebrochen werden.

  6. August 3

    Wenn ich Blödsinn schreibe, kann ich nicht erwarten, noch wahrgenommen zu werden, ganz gleich, welchen Schreibstil und welche Anrede ich verwendet habe. Höflichkeit kann nur bereits vorhandene Qualität aufwerten und eventuell seriöser darbieten.

    Wenn sich Höflichkeit und erträglicher Inhalt gefunden haben (und ich bin mir bewusst, dass ich nicht den größten Blödsinn schreibe; ohne überheblich wirken zu wollen), kann man mehr Chancen auf ein breites Leserspektrum haben, als wenn man zwar interessante Gedanken auf Lager hat, sie aber nicht interessant hervorzubringen weiß. Ich will nicht behaupten, dass ein Blogger, der seine Leserschaft duzt, schlechter schreibt. Er hat aber beispielsweise ein schmaleres Spektrum an Lesern, die auch wiederkommen werden.

    Würde denn ein älterer Herr, der sich ins Internet gewagt hat, nachdem ihm sein Sohn beigebracht hat, wie das zu handhaben ist, hinnehmen, dass man ihn duzt? Es gibt andere Generationen, aber auch andere Gesellschaften mit anderen Sitten. Ich versuche dadurch, dass ich meine Leserschaft im ersten Schritt (dem unpersönlichen Artikel) sieze, eine gewisse Distanz, einen Respekt vor dem Leser klarzustellen. Wird persönlich auf das Geschriebene eingegangen (im Kommentar), antworte ich auch persönlich – immer entsprechend.

    Ich teile die Ansicht, dass es ein Problem ist, dass wir uns mit Duzen keinen Respekt verschaffen können, nicht. Es ist schlichtweg so und einfach eine lockerere Umgangsform, da die höfliche, distanziertere unbedingt einer Alternative bedarf, wenn sich gesellschaftliche Gruppen näherkommen. Aber im Internet kommt man sich im Grunde nie nahe. Es findet ein virtueller, nicht realer Austausch statt – es sei denn natürlich, die betreffenden Personen sind sich zuvor auch im echten Leben bereits begegnet.

    Aus all diesen nun bereits mehrmals vorgelegten Gründen kann ich nur weiterhin sagen, dass ich in Artikeln siezen und in Kommentaren duzen werde und dies für begründet richtig halte.

  7. August 3

    Wie definiert sich ein „älterer Herr“? Ich zum Beispiel bin 52.

    Auf jeden Fall hebt Dich das aus der Masse von Bloggern heraus. Positiv! Es ist Deine Art, zu kommunizieren und Du stehst dahinter. Mit guten Argumenten. Und Du lässt Dich nicht beirren. Das gefällt mir gut. Weiter so.

  8. August 3

    Ein älterer Herr definiert sich in diesem Fall ganz klar über deiner Generation, sagen wir, ab 60 – und ich kenne auch wahrhaftig Menschen ab 60, die sich an das Internet heranwagen. Deine Generation meine ich in diesem Zusammenhang aber auch zu kennen; da geht man noch ohne Schwierigkeiten selbstständig ins Internet.

    Danke für die ermutigenden Worte.

  9. August 4

    Noch etwas zum Thema: In einem der ersten Kommentare vom Zementblog schrieb ich einst als Erklärung, weshalb ich sieze:

    Ich spreche die Besucher mit “Sie” an, damit das Ganze einen professionelleren Eindruck macht und damit ich auch gegenüber erwachsenen Lesern nicht etwa unhöflich wirke.

    Nun gut, „professioneller“ kann man wohl besser ausdrücken mit „seriöser“, ansonsten war das Ganze (das Siezen von vornherein) eher ein vorsichtiges Staksen in die Blogosphäre…

  10. August 4

    Seriös ist eine gute Vorgabe, aber wie du ja sicherlich mittlerweile gemerkt hast, ist das bei den meisten Bloggern nicht üblich. Bei denjenigen, die damit ihr Geld verdienen oder zumindest ein Zubrot und die eine bestimmte Klientel ansprechen, ist das gerechtfertigt (Beispiel Karrierebibel).

    Aber ich muss zugeben, dass ich z.B. diesen Blog auch erst für ein Corporate Blog einer Baufirma gehalten habe. Als ich den Projekt 42-Beitrag auf Blog-Parade.de gelesen habe, habe ich das nicht weiter ernst genommen und bin erst über „Endgültig“s Linkempfehlung wieder hergekommen.

    P.S.: Irgendwas stimmt mit meinen Augen nicht – ich lese die Captchas immer falsch! Gibt es keine Möglichkeit, die wegzulassen?

  11. August 4

    Sicher, das ist nicht gerade üblich. Aber das ist für mich eher ein Grund mehr, es doch zu machen (ich schwimme generell ganz gerne auch mal gegen den Strom).

    Dass du Zementblog erst für einen Firmenblog gehalten hast, ist super. Genau das assoziiert schließlich jeder auf Anhieb mit Titel, Aufmachung und Bannerbild dieser Seite. Das ist Absicht, definitiv gewollt: Damit will ein kleines, ich sage mal „Paradoxon“ schaffen, eines zwischen Gestaltung und Inhalt. Auch ein Punkt gegen den Strom: Der normale Leser erwartet das, was er auf den ersten Blick sieht. Wenn das, was er auf den ersten Blick sieht, nicht dem, was er sieht, wenn er genauer hinschaut, entspricht, weckt das gewissermaßen Interesse oder verstört.

    Das führt dazu, dass mein Blog nur von Leuten gelesen wird, die den Inhalt kennen und auch wirklich lesen. Leute, die den zweiten Blick überhaupt erst wagen. Es soll dazu anregen, dass man auch im echten Leben mal einen zweiten Blick wagt, zum Beispiel einen auf die Mitmenschen: Dass man sich nicht vom Äußeren täuschen lassen soll.

    Es gab beispielsweise mehrfach E-Mail-Anfragen zu bezahlten Werbeplätzen auf meiner Seite, von einer Glücksspiel-Seite und von einem Bauunternehmen. Ersteres wahr wohl automatisch generiert und hatte sich vermutlich gar nicht erst die Seite hier angesehen. Aber ein Bauunternehmen? Da sieht man mal, was für Zapper die Menschen sein können. Durchschalten und nur flüchtig wahrnehmen.

    Zu den Captchas: Du kannst sie auch anhören, dazu musst du auf den Lautsprecher im Captcha-Kasten klicken. Ich kann die Captchas leider vorerst nicht weglassen, da sie eine wichtige Sicherheitsschranke darstellen, um Spammer und Bots aus den Kommentardiskussionen herauszuhalten. Vielleicht führe ich aber auch wieder den „Maths Test“ ein, bei dem man eine einfache Addition beantworten muss, anstatt ein Captcha zu erkennen.

    Übrigens ist das hier der 200ste Kommentar im Zementblog!

  12. August 4

    Aha, wenn das so gewollt ist, dann umso besser. – Glückwunsch zu so viel Kommentaren in verhältnismäßig kurzer Zeit.

    Sind die Captchas wirklich die einzige Möglichkeit gegen Spammer? Wenn man sich die ersten 1000 erfolgreichsten Blogs in Deutschland ansieht, haben die (fast) alle keine Captchas und nur evtl. die Matheaufgabe (die wenigstens auf jeden Fall beim ersten Mal lösbar ist). Mit einem ordentlichen Spam-Plugin (von denen es mehr als genug gibt), hat man die Spammer im Griff und die echten Kommentierer haben keine Arbeit. Andererseits ist es typisch Firmenblog.

  13. August 4

    „Typisch Firmenblog“ – na, spitze! Spaß beiseite: Ich benutze „Akismet“ als Spam-Protektor. Ich kann es ja mal ohne Captcha versuchen, wenn dann die Spam-Rate hochschnellt, mache ich es eben rückgängig. Du hast schon Recht: Es wirkt irgendwie auch komfortabler, wenn man kein Captcha vorfindet. Man hat dann eher Lust, etwas zu schreiben.

  14. August 9

    Schön, dass mein Kommentar für Sie so relevant war, dass Sie einen eigenen Beitrag für diese Thematik anfertigten. Ich muss zugeben, als Blog-Besucher fühle ich mich mit einem „Sie“ nicht Ernst genommen bzw. „gemeint“. Es ist selbstverständlich Ihre Entscheidung.

    Übrigens: Wenn „Akismet“ als Spamschutz genutzt wird, sollte dies auch im Impressum bzw. in den Datenschutzhinweisen ausgedrückt werden. Unter „Export und Verarbeitung der Daten in Staaten außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes“. Nur als Tipp. Zwar ist bei einem privaten Blog aktuell nicht mit Problemen zu rechnen, aber man weiß nie, was sich Abmahnanwälte einfallen lassen.

  15. August 10

    Du kannst mich im Kommentar ruhig duzen, wie bereits geschrieben.

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