Homo Malus

Der Film „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel zeigt, das „Stanford-Prison-Experiment“ (kurz: SPE) verfilmend, wie schnell den Menschen „das Böse“ entlockt werden kann, wenn sie in eine simulierte Extremsituation versetzt werden, obwohl sie wissen, dass alles nur gespielt ist.

Bei dem Experiment, das 1971 von Philip Zimbardo an der Stanford Universität in Kalifornien durchgeführt wurde, ging es darum, den Hang des Menschen zu sadistischen, faschistoiden, religiös ausgedrückt „bösen“ Handlungen in psychisch extremen Situationen darzulegen. Vielleicht passt auch ein Bisschen die Frage „Ist ein Faschismus in der aufgeklärten Gesellschaft möglich?“, wie sie im Experiment „The Third Wave“ gestellt wird, in dieses Konzept. Allerdings ging es dem Psychologen Zimbardo bei seinem Szenario vielmehr um den sogenannten „Luzifer-Effekt„, den er in seinem gleichnamigen Fachbuch näher vorstellt. Um das „Böse“, das in jedem von uns steckt. Das hört sich zwar gewissermaßen religiotisch an, ist aber ein durchaus interessanter Gedanke.

Der deutsche Film zu diesem bereits nach der Hälfte der geplanten Zeit wegen gewalttätigen Eskalationen abgebrochenen Experiment glänzt mit hochkarätigen Schauspielern wie Moritz Bleibtreu, Wotan-Wilke Möhring oder Andrea Sawatzki. Sehr gelungen ist auch der angsteinflößende Auftritt von Justus von Dohnányi. Der große Unterschied ist aber, dass das Experiment in dieser Verfilmung des Romans „Black Box“ von Mario Giordano erst abgebrochen wird, als es sich durch sich selbst auflöst und mehrere Tote fordert. Der Wahnsinn, der bei dieser Idee entsteht, wenn sie radikal weitergedacht wird, ist also nicht gebremst worden. Dadurch wird also in einer noch intensiveren Weise ersichtlich, wozu ein Mensch fähig ist – und, vor Allem, wie schnell es dazu kommen kann. Wie schnell aus einer Simulation, einem Spiel Todernst wird.

Eine altbekannte, andere Versuchsreihe, die etwas Ähnliches darzulegen versuchte, ist die heute aus ethischen Gründen untersagte Milgram-Versuchsreihe (benannt nach dem Psychologen Stanley Milgram). Wie das Experiment abläuft, ist ausgezeichnet vorgeführt worden in dem Kurzfilm „Obedience“ (den anzusehen es sich auch wirklich lohnt).

Sicher ist es fragwürdig, Menschen derart auf den Arm zu nehmen oder zu erniedrigen, nur um des Versuches willen – dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich die Teilnehmer allesamt freiwillig gemeldet haben und zudem Bezahlung erhielten. Aber in jedem Fall sind die dabei gesammelten Erkenntnisse hochinteressant.

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