Stählerne Seifenoper

Heute, morgen und – puh – auch noch Mittwoch strahlt das ZDF eine „deutsche Familiensaga“ aus: „Krupp – eine deutsche Familie“ hat die Geschichte der Familie des Stahlindustrie-Gigants zum Thema, und das nicht zu knapp. Wie ich einer schönen Filmkritik des Deutschlandfunk heute morgen um halb acht entnehmen konnte, wird bei diesem Dreiteiler (wie man das so von den ZDF-Mehrteiler-Eigenproduktionen kennt) im Grunde nur Wert auf die Unterhaltung gelegt (das Oh, Ah, Ach und Seufz), anstatt die politisch negativen Seiten des, ich zitiere, „Stahlimperiums“ aufzuzeigen.

Die Nazifamilie Krupp als Soapstoff in einem pseudohistorischen Film zu verarbeiten – klasse. Schon das Wort „deutsch“ im Titel klingt nach überheblicher Geschichts-Wiedergutmachung. Ich werde mir den potenziellen Müll dennoch ansehen, um zu erfahren, was draus geworden ist (nicht der Unterhaltung wegen). Hier kann man sich die „spektakulärsten Szenen“ angucken anschauen ansehen reinziehen reinstreamen (um es modern auszudrücken) – großes deutsches Möchtegern-Hollywood.

Ich zitiere wörtlich einen Bericht des ZDF-Morgenmagazins über die Premiere des Films in Essen:

„Sie erwecken die wohl bekannteste Familie Deutschlands zu neuem Leben: die Darsteller sind in dem ZDF-Dreiteiler über die Krupps in ganz besondere Rollen geschlüpft. (…) Die Krupps sind bis heute umstritten und bieten wohl deshalb packenden und emotionalen Filmstoff.“

(ZDF Morgenmagazin)

„Geschichtliche Stoffe, die nicht so weit zurückliegen, sind auch sehr Trend im Moment, und die Amis haben seitdem es den Film jeden Stein umgedreht und etwas daraus gemacht, äh, wir haben noch weit viel bessere Stoffe als die.“

(Heino Ferch)

„Das hat ja fast so Dimensionen wie… eine königliche Familie, also… also diesen Status, diesen Mythos… ich wüsste nichts, was diesem Vergleich heute standhalten würde, in dieser Form…“

(Benjamin Sadler)

Alles klar.

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