Nutzt du den Tag?

„Ich hatte den Vertrag unterschrieben […] und ich kam mir so bescheuert vor, mit Tränen in den Augen auf der Brücke zu stehen, aber manchmal ist es so schwer, sich bei Heulen und Lachen für das Richtige zu entscheiden und beides zusammen sieht dann zwar dämlich aus, fühlt sich aber am okayesten an.“

Am 25. dieses Monats erscheint ein weiteres Romandebüt – es ist das plagiatsvorwurfslose Buch „Und im Zweifel für dich selbst“ von Elisabeth Rank, die mit jungen 25 Jahren schon für verschiedene Zeitungen verschiedene interessante Artikel schrieb, bei einer Werbeagentur in Hamburg arbeitet, irgendwas mit einer Vodafone-Werbekampagne zu tun hatte und auch ein Blog betreibt. Eigentlich arbeitet sie ganz einfach als freie Autorin, seitdem sie Publizistik, Kommunikationswissenschaft und Europäische Ethnologie studiert hat. In ihrem Blog schreibt sie in einem Stil, in den man sich schnell verliebt hat, Dingen den Belang an.

Diesen wunderbar seicht-nachdenklichen Stil hat sie nun in einem ganzen Roman angewandt. „Ich hab das ja auch geschrieben, um zu lernen, wie man so einen langen Text macht. Im Internet hat man eher selten den Atem, solche Längen durchzuhalten“, sagt sie im Interview mit dem Bücher-Magazin. In jedem Fall scheint eine interessante Geschichte über den Umgang mit dem schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen herausgekommen zu sein (soweit ich das beurteilen kann – ich habe das Buch noch nicht gelesen): Sie beginnt mit dem Tod des Freundes der Protagonistin. Die junge Frau bricht mit ihrer Freundin auf, ohne Ziel, Hauptsache weg. So wird ein kleines geschriebenes Roadmovie erzählt. Dabei gibt es so schöne Absätze zu lesen wie diesen:

„Am Rand der Landstraße hielten wir an, um zu rauchen. Nebeneinander lehnten wir am Auto, es musste schön ausgesehen haben für die, die in den Autos saßen und an uns vorbeifuhren. Zwei Beine in einem Rock und zwei Beine in einer engen Hose, wehende Haare und Zigaretten zwischen den Fingern. Wie Cowboys standen wir, und vielleicht dachten sie, wir fänden das gut, wir würden das genießen.“

(Quelle: Suhrkamp)

Man kann auf das Buch gespannt sein – ich für meinen Teil erwarte ein gelungenes Debüt (ach, was heißt Debüt, warum muss das Feuilleton das immer so betonen?). Elisabeth Rank wird im März und April unter anderem auch in Hamburg an mehreren Lesungen teilnehmen.

Natürlich denkt man bei den Schlagworten „junge Autorin“ und „Debüt“ auch schnell wieder an die 17-jährige Helene Hegemann, die erst kürzlich für Furore sorgte, als bekannt wurde, dass sie einige Passagen ihres Romans „Axolotl Roadkill“ von Blogger und Autor Airen sowie einer Musikgruppe abgeschrieben hatte. Auch dazu hat das Bücher-Magazin Elisabeth Rank gefragt, sie betonte dabei, dass man zwar „Quellen kenntlich machen“ solle, sie die Birne der Helene (siehe Feynsinn) aber „ziemlich irre“ finde. Die Sache mit dem Urheberrecht sei eine „Respektsgeschichte“, es gehe „nicht nur um Geld oder so etwas, sondern um die Frage von ‚Bitte‘ und ‚Danke'“. Im Großen und Ganzen macht Lisa Rank jedenfalls keinen Bohei um den Fall Hegemann, er sei vielleicht einfach „ein bisschen unglücklich gelaufen“, jetzt aber auch abgehakt.

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