Querpresse: Überlesenes

In den letzten Wochen und Tagen sind einige wichtige Nachrichten teils untergegangen, teils unerwähnt geblieben oder aber als „mutmaßlich“, also aus ungesicherten Quellen stammend präsentiert und abgetan wor­den. Manche sind einfach einer besonderen Erwähnung würdig. Aber eins nach dem anderen.

Zunächst ein mittlerweile schon etwas weiter zurückliegendes Ereignis, das selbst in den Lokalblät­tern kaum eine Bemerkung wert gewesen zu sein schien: Am Ostermontag haben Neonazis die KZ-Gedänkstätte Neuengamme mit Hakenkreuzen und dem Kennzeichen „C18“ (Merkmal der radikal nationalsozialistischen Organisation „Combat 18„) beschmiert (siehe auch Indymedia). In einer Pressemitteilung fordert die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e. V. den umgebenden Bezirk Ham­burg-Bergedorf auf, „künftig dafür Sorge zu tragen, dass eine solche Schändung nicht wieder mög­lich“ ist. Seltsam, dass ein solcher Skandal in den Medien – nicht nur in der Presse – derart ausge­blendet wird. Natürlich handelt es sich „nur wieder um eine weitere rechtsradikale Tat“, aber viel­leicht ist die Erwähnung derer der Öffentlichkeit auch gar nicht so recht, zumal sich die konservative Politik jetzt auch verstärkt auf „Linksradikale“ konzentrieren will.

"Sieh dir diese toten Bastarde an!"

Nächster Punkt: die neueste Enthüllung von WikiLeaks – ein Video namens „Collateral Murder„, das „ein […] Kriegsverbrechen von US-Soldaten im Irak dokumentiert“ (junge Welt). Die Aufnahme fand von einem US-Militärhubschrauber aus statt und zeigt, wie ein Einsatzkommando scheinbar spontan eine Gruppe harmlos wirkender Menschen ohne ersichtlichen Grund niederschießt. Zwei der hingerichteten Menschen waren Journalisten der Agentur Reuters, also ganz klar keine potentiel­le Gefahr. Dieses Massaker führe laut Telepolis die „totale moralische Verwahrlosung des Menschen in der Alltäglichkeit des Krieges“ vor Augen. Telepolis zitiert im folgenden die amerikanische Mili­tärführung, die mit den Worten reagiert habe, der Akt sei ganz und gar „nach den Regeln des be­waffneten Konflikts und in Übereinstimmung mit den Einsatzregeln des US-Militärs“ verlaufen. In den Nachrichten ist das Video nicht gerade rege diskutiert worden. Selbstverständlich hat jedes Blatt und jeder Sender davon berichtet, aber immer wieder mit der Bemerkung, WikiLeaks sei keine seri­öse Quelle, deshalb gäbe es keine Möglichkeit, eine fundierte Debatte zu beginnen.

Der Moment des Händchenhaltens.

Und zuletzt sei die Menschenkette gegen Atomkraft am vergangenen Samstag erwähnt, die quer durch Norddeutschland vom AKW Brünsbüttel über Hamburg bis zum AKW Krümmel führte. Nach Angaben der veranstaltenden Organisationen machten sich auf mehr als 120 Kilometern etwa 120.000 Atomkraftgegner lang – der reibungslose Ablauf und die tolle Beteiligung . Gleichzeitig de­monstrierten 20.000 Menschen vor dem AKW Biblis in Hessen sowie 7.000 Personen beim Atom­müll-Zwischenlager in Ahaus (Nordrhein-Westfalen). Die Sprecher des Trägerkreises (KettenReAktion) bezeichnen die groß angelegte Aktion als die „größten Proteste, die es […] in der Bundesrepublik je gegeben hat“ und fordern die Bundesregierung auf, aus dem Tag „Konsequenzen [zu] ziehen“. Es wurden außerdem weitere Proteste in Aussicht gesetzt, sofern die schwarz-gelbe Regierung weiter „an ihrem Atomkurs“ festhalte.

Bilder: WikiLeaks.org, Inken Bruns

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